Nenne spontan fünf Sachverhalte, die Du für wert hältst mit den Schlagwörtern "unfassbarer Frevel" und "keine Chance zum Überleben" belegt zu werden.
Fertig? Was ist Dir eingefallen? Zum Beispiel: - Vielleicht Bürgerkriege in afrikanischen Staaten, wo Menschen Arme mit Macheten abgehackt werden, - oder Kriege gegen das Völkerrecht im Allgemeinen, wo ohne Regel und Gesetz gefoltert wird, - eventuell sowas in der Art?
Tja, dann hast Du noch nicht die Lebenserfahrung, die der Werler Krisenreporter Tomicek gemacht hat. Unter Missachtung aller Regeln des guten Journalismus "berichtet" Pseudojournalist Tomicek im Werler Lokalteil des Soester Anzeiger davon, dass ein Unbekannter drei Bäume im Wert von 2.500 € angebohrt hat und anschließend eine giftige Chemikalie in diese Löcher gefüllt hat. Und weil eine solche Meldung eben keine Meldung ist, musste halt ein bischen Jazz her, um das Nichtthema mit Wichtigkeit anzureichern. Weitere Begriffe aus der ansonsten belanglosen Darstellung: "vernichtet", "unbekannte Täter", "Empörung", "Frevel", "sterben", "fies", "betroffen", "unfassbarer Frevel", keine "Chance zum Überleben", "Frevel". Diese Dichte an Schreckensvokabular sah ich zuletzt in einem Buch zur Geschichte der Hexenverfolgung in Europa.
Wer könnte das besser demonstrieren als die Boyz von Top Gear :-) Hier meine Lieblingsepisode...
Und bitte bitte nicht gleich aufgeben, britischer Humor ist manchmal zäh: Der Zwischenhöhepunkt beginnt ab 4:11 und der große Showdown ab 8:04. Have fun...
Und wem so etwas gefällt, der ist bereit für die Police Car Challange Teil 1 und Teil 2.
Ich sitze in der Pizzeria um die Ecke, die zur Mittagszeit auch gerne von Schülern aller Altersgruppen frequentiert wird. Diese jungen Menschen haben vor allem zwei Eigenschaften: Sie sprechen alle unnötig laut und verhalten sich grundsätzlich so, als ob sie die einzigen Anwesenden im Raum seien. Zwei Eigenschaften, die in der Regel dazu führen, dass ich die Pizzeria zwischen 12:30 und 13:30 meide, aber letztens wars dann doch lustig:
Am Tisch 1 sitzen zwei Fünft- oder Sechstklässler, die sich nicht einigen können, ob sie das neue Kaninchen des einen nun Hoppel, Moppel oder Schnuppel (kein Scheiß!) nennen sollen. Sie diskutieren ebenso lange, wie lautstark wie leidenschaftlich und einigen sich schließlich auf "Kuschel" (auch kein Scheiß!).
"Süß, so für echte Jungs", denke ich und höre, was die Neuntklässler am Tisch 2 sich erzählen:
"Die Cousine meines Kumpel ist voll die Schlampe, ey, die lässt echt jeden drüber. Nach dem letzten Wochenende im MegaParc hat sie.."
Ich bin mal so frei, euch zu ersparen, was die Cousine seines Kumpel nach dieser Party getan hat, staune aber darüber, dass man mit mindestens 115 Dezibel in einer vollbesetzten Pizzeria darüber schwadroniert. Wenden wir uns also den Elftklässlern am Tisch 3 zu:
"Mein Biolehrer, diese piep piep, der piep piep piep, hat mir doch echt in der letzten piep Klausur eine piep piep Fünf gegeben, der piep, Alter." "Echt, Mann, der Typ ist echt krass piep, Mann, die piep piep piep."
Und immer schön oberhalb von 110 Dezibel, bitte... Wer eine solch grandiose Performance mal live sehen möchte, wird mich halt besuchen müssen.
..., die glauben, ICH hätte keine Ahnung von Geographie...
Ich komme von der Verabschiedung meiner Klasse (man beachte das TimeTag dieses Eintrags) und muss 50 Kilometer Umweg über Harsekaffhausen fahren, weil einem meiner Absolventen kurz nach dem Aufbruch auf dem Westring die hormonellen Sicherungen durchgebrannt sind.
Geringfügig erschöpft befinde ich mich also kurz darauf an der Kaffeebar einer Autobahnraststätte auf der A2 Richtung Hannover, als ein abgewrackter Golf 2 mit vier Insassen vorfährt, ein junger Mann aussteigt, sich an den Tankstellenmann wendet und sich in sehr gebrochenen Englisch dieser Dialog ereignet.
"Oh, Sie haben sich verfahren? Wohin möchten Sie denn?" "Nach Halle." "Welches Halle denn genau? Das Gerry-Weber-Halle oder das Ostdeutschland-Halle?"
Diese grobe Vereinfachung der beiden Halles durch den Tankstellenmann trifft eigentlich genau den Kern dieser Orte, hahaha..., aber egal, hören wir weiter...
"Nach Halle bei Österreich."
In diesem Moment fängt die Sache an, mich zu interessieren, denn wer in Gütersloh an der Tanke steht und nach "Halle bei Österreich" will, der hat entweder einen an der Waffel oder eine wirklich interessante Geschichte zu erzählen.
"Nach Halle bei Österreich? Sie wollen von hier aus nach Österreich? Wie haben Sie sich denn das gedacht?" "Wir wollen über Hannover nach Berlin fahren, und dann weiter nach Leipzig."
OK, denke ich, JETZT wirds richtig interessant. Da der Tankstellenmann es einfach nicht glauben kann, dass jemand vor den Toren von Gütersloh ihn nach dem Weg nach Österreich fragt, bittet man mich hinzu.
Ich lasse mir das ganze erstmal auf der großen Europakarte demonstrieren und es stellt sich folgendes heraus: Die Truppe kommt aus Enschede in Holland und will in einem Zug ohne Pause 2.600 Kilometer bis nach Istanbul fahren. Leider waren die Jungs am Kamener Kreuz in dem Baustellenchaos falsch abgebogen, so dass sie statt auf der E41 nun auf der A2 nach Hannover unterwegs sind. Wir schicken die Menschen dann über die 33-44-7 Richtung Süden und hoffen das Beste.
Godspeed, ihr Wahnsinnigen da draußen...
Meta: Nach drei Wochen Blogpause, in denen mich mein Arbeitspensum von allem Schönem (ok, fast allem) abgehalten hat, scheinen sich jetzt wieder interessante Dinge in meinem Leben zu ereignen... Gleich morgen erzähle ich euch, was ich gestern in der Pizzeria um die Ecke erlebt habe... :-)
Ich wollte mich aus diesem Thema eigentlich raushalten, zumal ich das unwürdige Spektakel in den letzten Tagen nur aus der Ferne verfolgt habe. Aber dieser Fake von Nerdcore ist zu großartig und kann nicht oft genug durch die Blogs geistern.
Wer sich ansonsten für eine Lageeinschätzung im Hause Opel interessiert, lese hier weiter...
Gerade trinke ich noch ein Feierabendbier im Havana und lese den Werbeslogan der Firma Warsteiner für ihre aktuellen Kinderbiere auf dem Bierdeckel: "Der pure Mix".
Ja genau, ihr Warsteiner-Marketing-Schicksen: Der pure Mix, muhahahaha - Gott, seid ihr doof.
Am 9. Februar dieses Jahres hatte ich ja bereits schon einmal von meinen Problemen mit der "guten alten Zeit" berichtet - Nazi-Lieder gehen nach wie vor nicht als solche durch.
Inzwischen muss ich leider die These vertreten, dass das Westfalenblatt im harten Kampf gegen die Neue Westfälische um den Titel des schlechtesten Journalismus' die Latte wieder einmal tiefer gehängt hat.
Die heutige Montagsausgabe titelt auf der Lokalseite mit "Die gute alte Postkutschenzeit kommt wieder". Der Artikel selbst ist belangloser Lokalquark, der von der Kutschenfahrt eines Hochzeitspaares von A nach B handelt. Aber der ganze Gestus des Artikels ist eine Unverschämtheit. Ganz unabhängig davon, dass der Autor Karl Pickhardt wirklich alles unternimmt, um die zentralen Ethikvorstellungen des Deutschen Presserates und Belanglosigkeiten, wie die Grammatik der deutschen Sprache zu ignorieren und mit seiner Schreibe ein Musterbeispiel schlechten Journalismus' abliefert, wird hier tatsächlich die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts als "gute alte Zeit" beschworen (na immerhin mal nicht die Nazi-Zeit).
Man mag sich erinnern: Napoleonische Kriege, Wirren der Kleinstaaaterei, erfolgloses Junges Deutschland, Wiener Kongress, Schlesische Weber, katastrophale Hygiene, Seuchen - Willkür, Krieg und Elend, wo man auch hinschaut. ABER: Die Königlich-Württembergische Post hatte offensichtlich hübsche gelbe Postkutschen. Ja dann geht das Ganze natürlich als "gute alte Zeit" durch.
Heute gelernt: Misstraue jedem, der davon spricht, dass früher alles besser war - das beweist meistens nur die Vergesslichkeit des Autors.
Gerade komme ich von der Verabschiedung eines verdienten Kollegen, der nach 33 Dienstjahren in den Ruhestand versetzt wird. Das Geschenk des Kollegiums: Eine große Landkarte.
Im Vorfeld dieser Geschenkaktion lautete die Arbeitsanweisung des Organisators: "Klebe Dein Passfoto auf denjenigen Ort in Deutschland, wo Du gerne Urlaub machst."
Kollege N. (unterrichtet auch Geographie) klebt sich daraufhin nach Ostpreußen, Kollege G. nach Warschau.
Ähem, liegt hier vielleicht ein ganz geringfügig verfälschtest Geschichtsbild vor?
..., Sie haben es zur Ausbildungsleiterin der Paderborner Sparkasse gebracht - dafür meinen herzlichen Glückwunsch.
Vermutlich haben Sie selbst eine Sparkassenausbildung absolviert und überdurchschnittlich abgeschlossen. Jetzt, nach einer Handvoll Berufsjahren als Kundenberaterin und einigen Zusatzqualifikationen in HR fühlen Sie sich qualifiziert, jungen Menschen Vorbild und Ausbilderin zu sein.
Von Sport scheinen jedoch nicht allzuviel zu verstehen, aber vielleicht ist das für Banker ja auch eher nebensächlich in Zeiten, in denen man auch nichts von Hypothekenkrediten versteht.
Jedenfalls werben Sie und Ihre Abteilung gerade mit dem Slogan "Sieger erkennt man am Start." um die Azubigeneration 2010. Dazu möchte ich aus langjähriger Fernsehsportkonsumerfahrung anmerken: Sieger erkennt man am Ende. Dann nämlich, wenn sie am Ende eine Ziellinie als Erster überquert haben oder am Ende irgendeinen Gegenstand am Weitesten geworfen haben oder am Ende am meisten Tore erzielt haben oder am Ende die höchste Punktzahl erreicht haben. Aber immer am Ende. Und Mitnichten erkennt man sie am Start.
Und was mich unabhängig von diesem unglaublich schwachsinnigen Vergleich mit der Sportwelt auffällt, ist die Grundidee Ihrer Abteilung, dass junge Menschen sich als Sieger betrachten können, nur weil sie einen Ausbildungsplatz bei einer Provinzbank erhalten haben.
Da sínd dann wohl die Pferde der kognitiven Dissonanz ein wenig mit Ihnen durchgegangen, oder?
Aber Selbstüberschätzung hilft ja meistens gegen Realität.
Einige von euch wissen: Seit Längerem schon bemühe ich mich um eine Versetzung, weil ich mich dem täglichen Wahnsinn meiner jugendlichen Adepten emotional nicht mehr gewachsen sehe. Ich möchte Menschen wirklich helfen können und deswegen in den medizinischen Dienst wechseln.
Heute Nacht kam endlich der lang erhoffte Anruf aus New Jersey: Das Princeton Pleinsboro Lehrkrankenhaus hat entschieden, mich der Abteilung Diagnostische Medizin unter der Leitung von Dr. House zuzuteilen, um dort die bald an ihrer schweren Krankheit versterbende Internistin Dr. Hadley zu ersetzen. Die leitende Klinikärztin hat mir erzählt, dass mein Bewerbungsgesuch eigentlich nur akzeptiert wurde, weil ich gestern Nacht in einer Wodka-stimulierten Ferndiagnose die Erkrankung eines Patienten schneller diagnostizieren konnte, als Dr. House und sein gesamtes Team. Insgesamt brauchten das Team und sein Chef fast drei Tage für die Diagnose "Visuelle Agnosie" - ich brauchte keine drei Sekunden.
Nach all den Jahren hat sich meine Magister-Arbeit über Visuelle Agnosie endlich ausgezahlt: Als ich den Patienten, einen Maler, und seine Bilder zu Beginn der gestrigen Ferndiagnose-Sitzung (Aktennummer 5-3) sah, wusste ich sofort: "It's not Lupus - it's Visual Agnosia!" Nach dem House-üblichen Gemobbe und dem Spott der Kollegen über diese zackige Diagnose musste man dann drei Tage später zugeben, dass ich Recht hatte.
Glücklicherweise wissen die da drüben noch nicht, dass ich außer von visueller Agnosie von neurologischen Erkrankungen ansonsten keine Ahnung habe - hoffen wir, dass ich niemanden umbringe. Dienstbeginn ist nach Ablauf des aktuellen Schuljahres...
Ich verdaddele diesen Samstagnachmittag nach einer wirklich anstrengenden Arbeitswoche im Café, trinke doppelte Espressi und lese Zeitung. Als anständiger Studienrat auf Lebenszeit und Vollzeitklugscheißer lese ich selbstverständlich die ZEIT. Das aktuelle ZEIT-Magazin widmet sich in dieser Woche ganz dem Thema "Kaffee". Mein Lieblingsartikel typologisiert Menschen nach der Art, wie sie welchen Kaffee bestellen.
Nach allen möglichen Bestellungen von Milchkaffee-Schnickschnack kommt das Magazin endlich zu meiner typischen Bestellung "Einen doppelten Espresso bitte" und schreibt dazu als versteckte Selbstauskunft des Konsumenten:
"Ich wirke wach. Aber innerlich bin ich todmüde. Ich arbeite nämlich sehr, sehr viel, schlafe kaum und muss ständig zu 100 Prozent präsent sein. Eigentlich bräuchte ich Speed."
Faszinierend. Kann ich jetzt was von den Smarties haben, bitte?
Das war das Letzte, was gerade im Autoradio lief - und ich sehe uns wieder 1999 im Cabrio an einem ähnlich strahlenden Tag wie heute durch das Land fahren - was für ein Sog...
Es ist nur Pop, aber jeder Satz ein Treffer. Alle Regler rechts:
Nachtrag 01:23 Uhr: Nach ca. 428 Wiederholungen und umfänglichen Konsultationen mit meinem drittbesten Freund E.B. möchte ich darauf hinweisen, dass hier wirklich JEDE Zeile eine Punchline ist. Ach, das hatte ich schon gesagt...? OK, dann auch dies: Alle Regler RECHTS!
Ich verdaddele den Nachmittag im Outlet des Paderborner Sternerestaurants, sitze an meinem Lieblingsplatz an der Bar und schaue beim Lesen immer mal so, was die Bedienung so macht.
Ihre selbst definierte Hauptaufgabe liegt darin, betont an den Gästen vorbeizuschauen, während sie aufgrund eines unpassenden Oberteils immer wieder unpassende Einblicke in ihre unpassende Hüftstruktur gibt. Die Stammgäste beeindruckt das nicht und rufen ihr von ihren Tischen her einfach zu, was sie möchten.
Während sie also einem Gast an ihrer Getränketheke ein Bitter Lemon einschenkt, stellt sie wohl fest, dass ihr unforscher Schritt von etwas gehemmt wird. Sie schaut auf ihren Schuh, knibbelt mit den Fingern einen Kaugummirest von der Sohle, wirft ihn weg und schenkt dann ungerührt weiter ein.
Der Tisch, zu dem sie das Getränk dann bringt, wird unterlagert von einem hässlichen Schnauzer-Mischling, der vor Aufregung auf den Boden gemacht hat. Kein Problem für unsere patente Bedienung: Sie greift sich zwei Servietten, macht das Maleur weg, wirft die Servietten in den Mülleimer und richtet dann an der Küchendurchreiche noch schnell die Brote auf zwei Salattellern an, die sie dann serviert.
Gerade stelle ich die Fotos meiner Studienreise nach Polen für die morgige Plakat-Ausstellung zusammen. Ich benötige noch Bildmaterial zum von uns besuchten internationalen Frauentag in Danzig am 8. Mai und gebe folgerichtig "Frauentag Polen" bei Google ein.
Und nach ein wenig Rumspielen mit der Suchmaschine habe ich dann auch gleich meine Traumfrau gefunden (Max und Sven, bitte den Sabber sofort wieder aufwischen, check?)
Serendipity at its best, oder wie meine Kinder sagen würden: "Ey, cooler Typ!"
Wir bekommen zur Zeit eine fulminante Medienausstattung in allen Klassenräumen installiert - eine Aktion, die ich sehr schätze, weil jetzt jeder Raum über Beamer, Multimediastation und Flatscreen verfügt. Ich sehe viele Schulen im Lande, aber unser Technologiedurchsatz ist zu meiner Freude wirklich außergewöhnlich. Jedoch: Seit einigen Tagen stockt der Prozess aus ungeklärten Gründen. Der ganze Keller steht voller Rechner und Bildschirme, die Flure voller neuer Computertische und die Beamer sind bereits unter der Decke montiert.
Auf die Frage, wieso der Prozess denn Halt mache, erhalten wir in der Konferenz diese Auskunft: "Uns fehlen seit Wochen die Dreifachstecker."
Ich bemühe mich jetzt mal, hier kurz den Wirtschaftslehrer raushängen zu lassen:
Im Keller steht Equipement für rund 40.000 Euro. Wenn wir diese Computer nun über drei Jahre abschreiben, so sind dies pro Jahr knapp 13.300 Euro, also pro Monat rund 1.100 Euro und pro Tag knapp 40 Euro. Das bedeutet: Jeden Tag, den die Ausrüstung ungenutzt im Keller rumsteht, verliert sie 40 Euro an Wert. 20 Dreifachstecker kosten 40 Euro - also den Wertverlust eines einzigen Tages. Zwei Wochen Installationsverzögerung kosten hingegen umgerechnet 560 Euro.
Immerhin tröstet mich, dass ich nicht der Einzige war, der hier sprachlos zurück blieb.
Eigentlich hatte ich mir immer vorgenommen, dieses Blog eher frei zu halten von schulischen Frustrationserlebnissen, aber manchmal muss sich das Herz eine Gasse brechen.
Und aus dem heutigen gegebenen Anlass starte ich eine neue Kategorie "Wahnsinn Schule", die fortan die schlimmstmöglichen Wendungen meines Lebens dokumentieren soll...
Beginnen wir also heute gegen 12:45 Uhr: Eine Klasse hat die Aufgabe, herauszufinden, wie viele Tage im Jahr ein normaler Arbeitnehmer eigentlich arbeitet. Wir beginnen unsere Berechnung damit, dass wir die Anzahl der Wochenenden zu bestimmen versuchen, denn das ist der größte "Freizeitposten".
Die Frage an meine Schüler lautet also wörtlich: "Wie viele Wochen hat ein Jahr?" Ich breche innerlich zusammen bei dem, was sich in den folgenden 4 Minuten 35 Sekunden abspielt:
Am Ende einigt sich die Schülergruppe mehrheitlich auf die Lösung "42".
Nachdem ich diesen winzigen Denkfehler freundschaftlich korrigiert habe, lautet die nächste Frage an meine Schüler: "Wenn das Jahr also wie festgestellt 52 Wochen hat, wieviele Samstage und Sonntage sind das dann insgesamt?"
Hatte ich eigentlich bereits erwähnt, dass alle hier Beteiligten vor gerade sieben Monaten ihre jeweilige Realschule mit der Fachoberschulreife verlassen haben?
Gerade komme ich aus einer Vertretungsstunde und stelle beim Blättern im Klassenbuch fest:
Die beiden leistungsschwächsten Schülerinnen der Klasse, die aufgrund ihres verkürzten geistigen Horizontes vor einigen Wochen die Klasse verlassen mussten, heißen:
Cindy und Jacqueline.
Auch tragisch, aber ungleich inspirierender zum Ausgleich Hape in seiner besten Rolle (schau bis zum Ende, es ist outstanding)...
In einem meiner Lieblingsblogs stieß ich kürzlich auf dieses Foto mit Benedikt XVI. und seinem Papamobil.
Doch was will uns der Vatikan mit diesen fast fünf Zentimeter dicken schusssicheren Scheiben rundherum sagen? Was ist mit dem Vertrauen auf den Höchsten, der doch hoffentlich das Leben seines Stellvertreters auf Erden beschützen wird?
Wie heißt es doch im alten Kirchenlied "Wer unterm Schirm des Höchsten sitzt": "Du brauchst Dich nicht zu fürchten vor den Pfeilen, die bei Tage fliegen." Nunja, allzuweit scheint es mit diesem Vertrauen in der vatikanischen Führungsebene nicht her zu sein...
Und besonders pikant: Der eine oder andere von uns wird sich noch auf das Attentat auf Johannes Paul II. in den 80ern erinnern. Damals verwies Papst JP auf die Jungfrau Maria, die die Kugel des Attentäters abgelenkt habe, um ihn zu schützen. Was sagt uns das jetzt über Benedikt? Dass er den kugelablenkenden Fähigkeiten der Jungfrau Maria misstraut? Ja glaubt er überhaupt noch an irgendeine Art von Schutz durch seinen Gott?
Und wie soll ich an göttlichen Schutz und die Fürsorge Marias glauben, wenn es nicht einmal der Papst tut?
Gerade komme ich aus dem Kino und bin berührt vom seltsamen Fall des Benjamin Button. Wobei es mir nicht um den Film selbst geht: Der wurde in den letzten Wochen ebenso zahlreich wie zu Recht grandios besprochen und wer Fitzgerald mal gelesen hat, hatte nichts Geringeres erwartet.
Die Szene, die mich berührt hat, ist an den anderen Kinobesuchern wahrscheinlich einfach vorbeigezogen, weil sie Teil eines rasant und bildgewaltig erzählten Handlungsstrangs war, doch für mich war es, als bliebe kurz die Zeit stehen:
Benjamin und Daisy haben sich nach langjährigen und tragischen Wirren (der Pavillon am See, Paris) endlich bewusst füreinander entschieden, haben sich von ihren emotionalen Altlasten (persönliche Verstrickung, das Haus des Vaters) getrennt, haben sich als Zeichen des gemeinsamen Neuanfangs eine Doppelhaushälfte im Vorort gekauft und genießen ihr Leben unbeschwert. Und diese Unbeschwertheit zelebrieren sie im Wortsinne, denn sie besitzen nichts, was ihr Leben beschweren könnte: keine Möbel, nur eine Matraze, auf der sie schlafen und auf der eigentlich ihr gesamtes Leben stattfindet. Sie leben unkonventionell und in den Tag hinein, besitzten nichts außer einander und ihre überbordende Leidenschaft.
Doch dann passiert es; unmerklich, unabsichtlich und doch so folgerichtig: Eines Tages streichen sie die Wände, weil ihnen die Farbe abgenutzt vorkommt; und dann wird eine Kommode geliefert, weil es so unordentlich ist, dann ein Schrank, weil die ganzen Klamotten ja irgendwo hinmüssen und dann eine neue Küche, wegen des ewigen Fastfoods. Und dann Gardinen und dieses Deko-Zeug für die Fensterbänke. Und Pflanzen, und Sitzgarnituren und Bodenbeläge. Und aus dem Liebesnest wird ein gemütliches Heim. Gäste gehen ein und aus und loben die geschmackvolle und gemütliche Einrichtung. Man hat nicht mehr nur einander, sondern auch Gemütlichkeit und Gäste. Und man trägt diese Lacoste-Polos. Schwangerschaft, beruflicher Erfolg, Sandkasten, ein Kombi.
Wie geht es im Film weiter? Was interessiert mich das? Wie geht mein Leben weiter?
Heute Morgen titelt das Westfalen-Blatt bei der Ankündigung lokaler Veranstaltungen einen Artikel mit "Lieder aus den guten alten Zeiten". Da ich Dingen, wie "guten alten Zeiten" stets skeptisch gegenüberstehe, überfliege ich die Daten und stelle fest:
In den Augen des verantwortlichen Redakteurs sind die vierziger Jahre die "gute alte Zeit" und die Veranstaltung wird damit beworben, dass die Besucher eine "Reise in die Vergangenheit" erwartet.
Wie kann ich mir diese "Reise in die Vergangenheit" zu den "guten alten Zeiten" vorstellen? Wir kleiden uns in die guten alten SS-Uniformen, singen die oben angeklungenen guten alten Nazi-Lieder, schmeißen ein paar Steine in Synagogen, äschern eine Handvoll Untermenschen ein, klatschen alle rythmisch in die Hände, weil wir alle gute alte Arier sind und kloppen Sprüche, wie "Urlaub in Frankreich nur auf Ketten"?
Oder treffen wir uns mit den Verwandten aus dem guten alten ausbgebombten Dresden und dem guten alten ausgebombten Berlin im guten alten ausgebombten Münster im nicht mehr vorhandenen guten alten Kreuzviertel auf einen nicht mehr erhältlichen guten alten Kaffee?
Ist es eigentlich nur eine Ironie des Schicksals, dass diese geistesgestörte Veranstaltung im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Paderborn stattfindet?
Und dürfen wir jetzt alle den Holocoust leugnen und nicht nur der Papst und sein Gefolge? Wir sind Papst? Wir sind Westfalen-Blatt? Wir sind grenzdebil.
Das Journal "Lancet", Wissenschaftlern geläufig als Fachblatt für Neurowissenschaften, berichtet kürzlich von einem Franzosen, der aufgrund eines genetischen Defekts nur über rund zehn Prozent der sonst üblichen Hirnmasse verfügt. Trotz seines eher geringen Intelligenzquotienten führt der Mann ein recht normales Leben.
Ich wollte mir das hier eigentlich ersparen, aber weil die Fragen nicht abreißen, sei die Basis des Meltdowns kurz erklärt:
"We will make your dreams come true" - Eine schöne, wenngleich grafisch sparsame Erläuterung, wie man ein Bankdarlehen bekommt, auch wenn man nichts in der Hand hat.
"The Visual Guide to the Financial Crisis" - Für alle Freunde des Flowcharts und des konsekutiven wenn-dann hier die ultimative Zusammenfassung der Sachlage zum Mitspielen.
Und noch kürzer hätte das Toni, der Labrador, zusammengefasst: "Gier frisst Hirn." Und zwar immer. Und überall.
Endlich: Es wurde Zeit, dass dieses bedeutungsschwangere Pathos aufhört und wir uns wieder lustig machen können. Auch die amerikanischen Konjunkturpakete sind konzeptioneller Kokolores, nur auf Pump "finanziert" und führen zur 24/7-Schicht an den Gelddruckmaschinen. Das wird nichts, da hilft dann auch irgendwann keine Rhetorik mehr...
Umgekehrt wird es da schon schwieriger... Aus der Rubrik "Priceless Moments" heute ein Klassiker:
Für das chinesische Neujahrsfest am vergangenen Samstag hatten wir eine Reihe von Tai Chi-Vorführungen geplant. Dummerweise ist die verantwortliche (chinesische) Organisatorin der Meinung, dass einige mir unbekannte chinesische Studenten dabei mitmachen sollten. Meine höflich vorgetragenen Bedenken, dass diese Studenten die zu demonstrierende Form gar nicht beherrschen, und dass sich der Chinesen-Bonus auf der Bühne vor einem ebenso fachkundigen wie dann entsetzten Publikum recht schnell abnutzt, werden nicht gehört. Also treffen wir uns am Freitag vor den Auftritten zum gemeinsamen Üben.
Wir laufen die geplanten Formen ein Mal und schnell zeigt sich, was sich immer zeigt: Der Rosen ist Deutscher und hat trotzdem keine Ahnung von Fußball. Die Studenten sind Chinesen und haben trotzdem keine Ahnung von chinesischer Kampfkunst.
Die Organisatorin: "Und? Was meinst Du?" Ich: "Wir lassen es bleiben. Wir blamieren uns nur." (Man hatte mich um eine explizit ehrliche Antwort gebeten, was sollte ich machen?)
Entsetztes Schweigen. Dann bricht eine langwierige Diskussion in hektischem Chinesisch zwischen den Studenten und der Organisatorin los. Also laufen wir die Formen noch einmal. Anschließend erkläre ich auf Nachfrage mit mehr Deutlichkeit, worin die Kompetenzlosigkeit der Studenten besteht. Das führt zu noch lauteren und aggressiveren Diskussionen auf Chinesisch. Vor allem einer der jungen Menschen tut sich dabei durch besonders lautes Sprechen im Ausgleich zu seiner mangelhaften Körperbeherrschung hervor.
Nach diesem Trainingsdebakel bringe ich auf Wunsch der Organisatorin noch einen Studenten nach Hause. Er war der Einzige, der tatsächlich eingesehen hat, dass seine Vorführung kompetenzbefreit war und hat sich nach der ersten Form aus der Angelegenheit herausgehalten. Im Auto sprechen wir dies und das, was man halt so auf einer Autofahrt spricht. Er fragt mich, wie lange ich in China war und möchte dann wissen, ob ich nach all den Jahren denn Chinesisch verstünde.
Ich: "Ja." Er: "Hast Du denn immer verstanden, was wir vorhin so geredet haben?" Ich: "Ja." Er: "Hast Du denn auch verstanden, was der eine von uns vorhin gesagt hat?" Ich: "Ja." Er: "Jetzt nur so ein bischen oder alles?" Ich: "Alles." Er: "Oh."
Anschließend herrscht betretenes Schweigen.
Ich vermute mal, dass mein Mitfahrer diese kleine Story dem Betroffenen gleich weitererzählt hat, denn am anderen Tag wird kein Wort mehr gewechselt... Wie wir in den Künsten sagen würden: "Das innere Lächeln breitet sich aus."
Da ich demnächst über "Joe Black" referieren werde, begegnet mir gerade der passende Song zum eben verfassten Regenbogen-Eintrag: Aber sorry, auch hier besteht der Text weitgehend aus Märchen und romantischer Schmonzette, die mit meinem Regenbogen nicht viel gemein haben.
Aber entscheidet selbst: - Judy Garland: Das Original - Doris Day: Die Legende - Eva Cassidy: Zu langsam, aber mit Gänsehaus - Eric Clapton: (dass ich das mal über Clapton sagen muss) Fürchterlich - Celtic Woman: Nicht zu unterbieten, dagegen ist selbst Clapton Rubinstein - Marusha: In meinem Herzen bist Du unsterblich
Und hier mein persönlicher Favorit: Israel "Iz" Kaʻanoʻi Kamakawiwoʻole
Und falls Du nach dem Anschauen dieses kaum erträglich kitschigen Videos wissen möchtest, wie der Typ aussieht, der diese unglaubliche Stimme hat, dann schau mal hier. Und dann erklär mir noch einmal, dass Dein Gott keinen Humor hat.
Ich bitte, die reißerische Überschrift zu entschuldigen, aber schließlich ist Dschungelcamp und ich las heute beim Mittagessen die Bildzeitung: "Nackter - Fieser - Härter". Da konnte ich grad nicht anders.
Was ich also eigentlich sagen wollte:
Im Kindermärchen heißt es immer, die Zwerge würden ihr Gold am Ende des Regenbogens verstecken, und wenn man nur dem Weg des Regenbogens folgen würde, würde man schließlich bei diesem Goldschatz ankommen.
Das stimmt nicht, wie ich bei meinem letzten Flug nach Paris feststellen musste: Aufgrund der ebenso speziellen wie unangenehmen Wetterverhältnisse bildete sich zwischen zwei Wolkendecken ein Regenbogen, und zwar: kreisförmig. Letztlich nur ein banales metereologisches Phänomen, aber ich war beeindruckt.
Und ich mag, was uns die Kreisförmigkeit des Regenbogens als Metapher für den wahren Schatz im Leben sagen möchte: Was findest Du, wenn Du also den Regenbogen entlang läufst, wenn dieser kreisförmig ist? Du kommst wieder nach Hause, zu Dir selbst. Das ist der eigentliche Schatz am Ende des Regenbogens. Und das war er auch schon am Anfang. Danke, Wetter.
Heute, Montagmorgen, 7:45 Uhr beim Bäcker in Paderborn.
Während mir die nette Frau meine Laugencroissants eintütet, erzählt sie mir, dass sie den Jahreswechsel in Berlin verbracht hat und dass sie eigentlich gestern, also Sonntagabend zurückfahren wollte. Aber dann habe sie den Wetterbericht gesehen und sich gesagt. "Ach Mensch, da fahre ich doch lieber einen Tag früher und schlage dem Wetter ein Schnippchen." Und sie sei so dankbar, dass sie nicht in dieses totale sonntägliche Wetterchaos geraten sei.
Ja, sage ich, dass kann ich gut verstehen, denn da komme ich gerade her: - Ich breche also am Sonntag um 18:45 Uhr in Berlin auf, um nach Paderborn zu fahren. - Kurz darauf verbringe ich sechs Stunden mit zähem Stop-and-Go. - Dann stehe ich drei Stunden in einer Vollsperrung und kann ein wenig schlafen. - Dann "fahre" ich so rund zwei Stunden mit zehn Km/H. - Den Rest schucker ich im einstelligen Tachobereich nach Hause
Berlin-Paderborn in dreizehn Stunden und mit 45 Km Stau.
Kurz vor Silvester
lasse ich mich überreden, einer alten Partytradition beizuwohnen. Erstbesuch
2001 in einer Industriebrache Nähe Oranienburger Straße, Zweitbesuch 2005
im Café Moskau und der heutige Drittbesuch im Hause Sharp. Ich muss feststellen:
- Zwei
Stockwerke sind kein Partykonzept.
- Es
läuft im einschlägigen Partysegment noch immer dieselbe trostlose Doppel-CD.
- Burberry-Models
deprimieren mich.
- Goldene
Stirnbänder sind kein Trend, egal für welches Geschlecht.
- Niemandem
scheint die Party an sich zu reichen: Jeder hat wahlweise sein iPhone oder
seinen Blackberry in der Hand. Wem genau schickt ihr eigentlich um halb fünf
morgens SMS? Höhepunkt: Menschen, die in der linken Hand ihren Blackberry und
in der rechten Hand ihr iPhone haben und auf beiden Geräten gleichzeitig
tippen. Ich bewundere diese Multitaskingfähigkeit, speziell bei dieser
genetischen Veranlagung und um diese Uhrzeit.
Gerade nochmal bin ich dem sicheren Weg in die Hölle entkommen: Nur angsterfüllt kann ich mir vorstellen, einen eigenen Weihnachtsbaum zu dekorieren oder gar Truthahn zu essen...
Vielleicht sollte ich auch sonst in meinem Alltag aufmerksamer sein, ob nicht dieser Allah vielleicht etwas gegen dies oder jenes in meinem Leben hat. Gut, dass es so wachsame Beobachter zur Sicherung meines Lebens gibt...
Viele meiner Schüler kennen meine schon fast zwanghafte Liebe zu Informationsbroschüren aus dem Hause McDonalds. Da die immer so offensichtlich uninformativ sind und der Marketingwille immer so durchschaubar ist, nehme ich sie gerne mit zur Analyse in den Unterricht.
Der Flyer, der mir gerade begegnet, ist jedoch die Krönung auf einer bislang nach oben offen gewesenen Unseriösitätsskala: McDonalds startet zur Zeit eine weltweite Kampagne, mit der es sich die Interpretationshoheit über die Nahrungsmittelqualität zu erobern sucht. Und anstatt dieses Ziel einfach über die Erhöhung der Nahrungsmittelqualität anzustreben, macht man das in bester McDonalds-Art durch eine weltweite Imagekampagne, in der viel von "Nährstoffen", "Vielfalt" und "Qualität" die Rede ist. Und vom GDA.
GDA?, wird sich an dieser Stelle der eine oder andere oekotrophologisch Halbgebildete gefragt haben, habe ich noch nie gehört. Was soll das denn sein? GDA bezeichnet den "Guideline Daily Amount", den empfohlenen durchschnittlichen Tagesbedarf an Kalorien und Nährstoffen.
Das ist ja eine vernünftige Angelegenheit, denke ich mir so spontan, dann sieht der Kunde endlich mal, was er da für einen Scheißdreck konsumiert, denn nach allen Nahrungsempfehlungsstandards, die mir so bekannt sind, schneidet das Mcdonalds-Essen metaphorisch gesprochen in der Vorhölle ab.
Ein Blick auf die nach dem GDA bewerteten "Lebensmittel" zeigt jedoch, dass alles, was McDonalds anbietet, irgendwie super abschneidet und schon fast nach vollwertiger und ausgewogener Kost aussieht. Was stimmt hier nicht?
Die Antwort verblüfft in ihrer Schlichtheit: McDonalds waren die weltweit seit Jahrzehnten gültigen Nahrungsempfehlungsstandards, wie zum Beispiel der DGE, RDV u.a., offensichtlich einfach zu unpassend. Und da hat man eben in Zusammenarbeit mit einem "unabhängigen Expertengremium" einfach einen neuen Standard erfunden und bügelt den jetzt in 109 Ländern des Planeten durch sämtliche Filialen in die Hirne der Kinder.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: McDonalds erfindet mit gekauften Pseudowissenschaftlern einfach einen neuen Standard, der die Produkte gut aussehen lässt. Und aus der vormals wissenschaftlich und oekotrophologisch korrekten Analyse "zu fett, zu salzig, zu viel, zu unausgewogen, Scheißfraß" wird ab sofort ein "wertvoller Beitrag zur täglichen Ernährung".
Das ist insgesamt so, als ließe ich nicht Ärzte und Klimawissenschaftler die Feinstaubgrenzen in unseren Innenstädten bestimmen, sondern die Automobillobby und eine Handvoll gekaufter Pseudoforscher vom Porsche Cayenne Biturbo Forschungszentrum.
Oder so, als ließe ich die Schädlichkeitsobergrenzen für Nikotinqualm nicht von Gesundheitswissenschaftlern bestimmen, sondern von der internationalen Tabaklobby und dem selbstverständlich unabhängigen und streng wissenschaftlich orientiertem Philipp Morris Tobacco Research Institute.
Ich ziehe den Hut vor dieser Marketingleistung.
Nachtrag, 22.12.08: JETZT KOMMT DER HAMMER! Das ist so geil, das kann ich selbst kaum glauben: Alle wissenschaftliche Forschung zeigt, dass Danone Actimel eigentlich nur ganz stinknormaler Naturjoghurt ist, der lediglich mit einem riesen Werbetamtam zu völlig überteuerten Preisen und kruden Quasigesundheitsversprechungen an die Herbstgrippe-paranoide Zielgruppe gebracht wird. Nur eine einzige Studie zeigt, dass Danone Actimel tatsächlich einen signifikanten Unterschied macht. Und wer hats herausgefunden? Na, Sebastian, wer? Das Danone Research Center.
Wer hätte das gedacht? Heart of Darkness, mein Lieber.
Ganz Paderborn befindet sich in der Fußgängerzone und auf dem Weihnachtsmarkt. Alle Geschäfte haben bis mindestens 18 Uhr geöffnet, alle sind gut drauf.
Nur vor dem Eingang der Postfiliale stehen ratlose Menschen. Ein Bild, das ich sich kaum eine halbe Stunde später verschärft vor der Paderborner Hauptpost wiederholen sehe. Hier stehen jetzt Pulks, die ernsthaft sauer sind. Was ist passiert im allgemeinen Konsumgeklingel des vierten Advents?
Öffnungszeiten der Deutschen Post am Samstag des vierten Advent: 9 bis 12 Uhr. Jeder Kommentar erscheint mir hier unangebracht. Willkommen in Deutschland.
Zur Fragestellung "Soll wieder Samstagsunterricht eingeführt werden?" argumentiert Schülerin V. wie folgt:
"Wenn ich Samstags zur Schule gehen soll, dann kann ich meinen Nebenjob nicht ausüben. Wenn ich meinen Nebenjob nicht ausüben kann, dann verdiene ich kein Geld. Wenn ich kein Geld verdiene, dann kann ich auch kein Geld ausgeben - und dann geht es Deutschlands Wirtschaft schlecht, weil ich nicht konsumiere. Insofern ist Samstagsunterricht eine mittelbare Schädigung unseres Staates, der dann wiederum weniger Steuern erhält. Somit hat der Staat dann auch weniger Geld für Bildung, das er ausgeben kann. Insofern schädigt Samstagsunterricht nicht nur die Wirtschaft sondern auch das Bildungssystem."
Ja, fulminant, oder? "Unterricht schädigt das Bildungssystem." Darauf muss man mit 17 erst einmal kommen.