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para mi funcionaTuesday, May 15. 2012..., auf dass sie den Sinn ihrer Existenz auf Erden verstehen.
Für mich hat das funktioniert. Schade, in all den Jahren hatten wir Fans auf den Nobelpreis gehofft, der mehr als verdient gewesen wäre. RIP, Carlos Fuentes. What's that noise?Wednesday, May 9. 2012Ich möchte einen Artikel teilen, den eine meiner Lieblingsbloggerinnen heute veröffentlicht hat: Kiki Thaerigen aus Hamburg, die hier bloggt. Sie beschreibt ihre Erinnerungen an die Beastie Boys, deren Gründer Adam Yauch dieser Tage verstorben ist - und es sind genau meine Erinnerungen, die sie beschreibt - tatsächlich habe ich die Beastie Boys und das Drumherum genau so erlebt und empfunden - faszinierend... -----------hier also Kikis Artikel, wunderbar, dankeschön für die Erlaubnis zum Teilen: Ich war achtzehn oder neunzehn, als die Beastie Boys ihr erstes Album veröffentlichten und das Video zu (You gotta) Fight for your Right to Party auf MTV rauf und runter gespielt wurde. Damals gab es noch MTV, und sie machten das, wofür das M in MTV stand: sie spielten Musikvideos, so ziemlich 24/7. Das war Mitte der 80er, die goldenen Zeiten von Adam Curry und Kurt Loder, in Europa Steve Blame, Ray Cokes, ein Jahr oder zwei nach Live Aid. Madonna war noch nicht die Queen of Pop sondern eine schlampig angezogene, blondierte Tussi mit Piepsstimme, die rumzappelte und mit True Blue über Nacht zur Diva mutierte. Bruce Springsteen herrschte mit seinem Born in the USA Album über die Charts. Auf „Yo! MTV raps“ mit Ed Lover und Dr. Dre (nicht dem Dre, einem anderen) gab es L.L. Cool Jay und De la Soul zu sehen und die Jungs von Nirvana gingen wahrscheinlich noch in die Mittelstufe oder Grundschule. Noch dominierten Schulterpolster und Big Hair Metalpopbands wie Europe oder Poison, Grunge war noch nicht einmal am Horizont zu sehen, Rap und HipHop war etwas für schwarze Ghettokids und Ice-T & Co. wurden sehr selten gespielt. Videos waren sehr teuer und aufwendig produzierte Miniclips, die LPs von Megastars an weisse Mittelschichtkinder verkaufen sollten, und darum gab es noch nicht so viele davon. Nach einer 24stündigen MTV-Schicht kannte man sie alle. Alle. Das von den Beastie Boys gefiel mir nicht besonders gut, aber den Song fand ich toll. Der hatte was. Schön punk, ohne dabei ein klassischer Punksong zu sein. Die üblichen Ingredienzien, die einen rebellischen Song ausmachten und in jedem anständigen Rocksong seit Elvis’ erstem, hüftkreisend vorgetragenen Bee-Bop-A-Lulasind drin: er ist laut, handelt von Teeniagerrebellion und das Video ist rückblickend so zuckersüß und harmlos wie Marty McFly, der etwa zur selben Zeit im Kino zurück durch die Zeit reiste. Wie man sich darüber aufregen konnte? Keine Ahnung. Und doch regten sich einige darüber auf. Denn die Jungs, die hier den Crossover zwischen Rock und Rap machten, waren weisse Jungs. Schlimmer noch: es waren weisse jüdische Jungs aus behüteten Vorstadtelternhäusern, keine Ghettokids. Wie konnten die so einen Lärm machen? In meiner Schule hörten die coolen Kids (bzw. die, die sich dafür hielten) Michael Jackson oder Whitney Houston, Depeche Mode und die Eurythmics. Die anderen, dazu zählte ich, hörten The Clash, Peter And The Test Tube Babies oder Joy Division. (Die verdammten Smiths ignorierte ich nicht mal.) Nur daß bei mir noch die klassische Musik dazukam: The Who, The Rolling Stones, Bob Dylan, Jefferson Airplane, Led Zeppelin, das ganze Woodstockgedöns sowie sämtliche Blueslegenden rauf und runter. Ich spielte Gitarre in einer Band, mehr schlecht als recht, aber mit Herz. Die Beasties aber waren für mich schwer greifbar, fast unspielbar.Ich hab’s versucht, aber schnell damit aufgehört. Das war nicht mein Sound. Wenige Jahre zuvor hatte ich mich mit Freundinnen abends heimlich in die Stadt und in die Spätvorstellung vonWild Style geschlichen. Diese Rapmusik, das war … anders. Sehr, sehr anders als alles bis dahin gehörte. Und auch, wenn ich nicht hundertprozentig überzeugt war, so erkannte ich doch die Coolness darin, den Groove, ich hörte die verwendeten Samples heraus, deren Originale in meiner Plattensammlung stattfanden und ich staunte. Fab 5 Freddie und Grandmaster Flash … Wow. Ich vergaß die Beasties wieder, bis fast zehn Jahre später das sensationelle Sabotage auf MTV explodierte. Dieser dreckige, verzerrte Bass! Das Video! Ich bin heute noch überzeugt, daß dieses Video im Alleingang für diese ganze Hipsterscheiße verantwortlich ist, die uns heute noch umgibt. Billige Polyesterklamotten, kurzärmelige Nerdhemden mit Kulis in den Brusttaschen? Verspiegelte Fliegerbrillen und Latte to go? Schnurrbärte, peinliche Frisuren mit pornösen Koteletten und Reminiszenzen an Die Straßen von San Francisco und Hawaii 5-0? Alles drin. Aber dieser Killerbass! Und dieses Gekreische! Was für ein Arschtritt von einem Song! Aber das anschliessende Album enttäuschte mich und ich vergass die Beasties wieder. Vor ein paar Jahren spielte mir ein Freund eine fantastische Platte vor. Instrumentaljazzfunkgroove — keine Ahnung, wie ich das nennen sollte, aber was für ein geiler Sound! Er ließ mich raten, wer das sei. Ich hatte keine Ahnung, Medeski, Martin & Wood vielleicht? Es waren die Beasties, mit einem (soweit ich weiss) nur in Frankreich veröffentlichten und äußerst musikalischen Album «The In Sound From Way Out!». Das ist und bleibt wohl mein liebstes Beastie Boys Album (Bester Track: In 3’s). Wer es nicht kennt oder hat, sollte sich schleunigst darum kümmern. Als ich vor ein paar Tagen vom viel zu frühen Tode Adam Yauchs erfuhr, hat mich das sehr getroffen. Er war nur zwei Jahre älter als ich, das ist ja dann noch so ein zusätzlicher Tritt in den Allerwertesten, ein hässliches Flüstern des Sensenmanns. Am selben Abend stieß ich auf das Video der Fight For Your Right Version von Coldplay, einer Band, die ich — vorsichtig formuliert — nicht besonders mag. Eigenes Fenster Die Gitarre war nicht mein erstes Instrument, das war das Klavier. Und wenn ich wirklich einen Song auseinandernehmen will, wirklich verstehen will wie er funktioniert, dann setze ich mich noch heute ans Klavier und taste mich ran. Nur am Klavier kann ich Musik schreiben (und lesen); am Klavier machen meine Finger das, was mein Herz ihnen befiehlt, ohne Umweg über den Kopf. Wenn ich einen Song schreibe, dann fast immer am Klavier und zu 99% in Moll. Vielleicht berührt mich diese Version deshalb so stark, weil ich den Song vermutlich so gespielt hätte, wäre er mir in den Sinn gekommen. An dieser Version stimmt alles. Chris Martin ist von Dur nach Moll gegangen und hat fast eine Akustikversion daraus gemacht. Sein Gesang ist schief und krumm und passt haargenau auf den Text des rebellischen Teenagers, der sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich zuhause auszuziehen. Sein Anschlag ist kraftvoll und zärtlich gleichzeitig und perfekt für diesen Song, diesen intimen Moment vor ausverkaufter Hollywood Bowl. Ich bin sicher, Adam Yauch hätte die Version seines Songs gut gefallen, von diesem käsigen Engländer, mit dem er ansonsten musikalisch so wenig gemeinsam zu haben schien, denn sie ist grundehrlich. „We’re sending all our love to the Beastie Boys“ singt Martin, und ich schliesse mich leise an. Gute Reise, MCA. Alles Gute, Beasties. (c) Kiki Thaerigen GuernicaThursday, April 26. 2012"Haben Sie das gemacht?" "Nein, das waren Sie."
Posted by Ulrich Rosen
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08:22
Lass doch mal die Typen mit den Flügeln ran...Tuesday, March 6. 2012Heute freue ich mich auf das Nachhausekommen, denn der Hermes-Versand hat die Lieferung meiner neuen Couch angekündigt. Das ist schön, denn die Couch ist für mein neues Gästezimmer bestimmt und die dafür vorgesehenen Gäste werden zeitnah erwartet, und deshalb ist das schön, dass die Couch jetzt kommt, bevor die Gäste kommen. Also komme ich heute nach Hause und: Finde ein gigantisches Paket originalverpackt unten im Hauseingang vor. Was mich stutzen lässt, denn der Kaufvertrag sieht den Transport an den vorgesehenen Standort im zweiten Stock vor, den Aufbau und die Montage der Couch sowie die Entsorgung des Verpackungsmaterials. Man teilt mir mit: Der Hermes Versand sei mit drei Liefermenschen nicht in der Lage gewesen, das Paket in den zweiten Stock zu befördern, weil Treppenhaus zu eng und man habe sich für die Erfüllung des Kaufvertrages daraufhin nicht verantwortlich gefühlt. Dieser Satz wiederum hat mich dann so erregt, dass ich, noch im Anzug, weil von der Arbeit kommend, das Paket gerade mal alleine zur Hand genommen habe, in den zweiten Stock verbracht und dort aufgebaut habe. Und das alles in deutlich weniger als zehn Minuten. Ich fasse zusammen: Ein global operierender supranationaler Mischkonzern vs. Ich; drei professionelle Möbelpacker vs. eine handwerklich minderbegabte Person; sieben Stunden Lieferzeitfenster vs. zehn Minuten Erfüllung. Kann ich eigentlich bei irgendwem in Auftrag geben, dass der Hermes-Versand mit Hatemails zugespammt wird, nur weil ich das gerade lustig finde? Sollen wir noch irgendwelche Gesten machen?Sunday, March 4. 2012Liebe Charlotte, lieber Jan, das war leider Mist, schade, ich hatte mich so gefreut. Meine Highlights: Der Sven und die Getränke. Provokation? Find ich gut.Tuesday, February 28. 2012Oliviero Toscani hat wie kaum jemand sonst meine Vorstellung von der Macht der Bilder und der Aufgabe des Marketings beeinflusst. Die gesamten Achtziger Jahre und weite Teile der Neunziger war Toscani in meinen Augen der visuelle Maßstab und der dauerhafte Grenzwert für das gesellschaftlich Erträgliche. Wie er glaube ich bis heute, dass stets korrektes Befindlichkeitsgerede zu wenig Energie freisetzt und der Provokation die Kraft zur Veränderung innewohnt. Herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag. Hier eine Auswahl von Höhepunkten.
Posted by Ulrich Rosen
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11:41
The definite voice of the EightiesSaturday, February 11. 2012Goodspeed, Du Stimme meiner Jugend...
Posted by Ulrich Rosen
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22:10
Zehn JahreWednesday, February 1. 2012Heute bin ich auf den Tag genau zehn Jahre Lehrer. Man möchte es für einen Zufall halten, dass ich ausgerechnet heute im Bücherregal meiner Mutter - ebenfalls Lehrerin - ein Buch finde, das meine Aufmerksamkeit erregt: Eva Ulrich - Ich bin eine Lehrerin - Heimeran Verlag - München 1955. Bei Amazon gibt es dieses Buch bereits ab 1 Cent, was uns vermutlich etwas sagen möchte... Wie dem auch sei: Meine Mutter bekam dieses Buch geschenkt anlässlich ihres bestandenen zweiten Staatsexamens und mithin ihres Eintrittes in den Lehrerinnen-Dienst. Es wurde also verfasst von einer Autorin, die Ende der 50er-Jahre bereits seit geraumer Zeit Lehrerin war - auch das möchte uns vermutlich etwas sagen... Ich chille also zur Mittagspause so im Sessel herum und lese diese Passage (S. 55f): Wenn man den geduldigen Eifer einmal nicht im erhabenen Sternenlicht der Pflichterfüllung betrachtet, sieht er sich meist fragwürdig, ameisenhaft und ein wenig lächerlich an. Aber seit ich mein zehnjähriges Lehrerjubiläum gefeiert habe, bin ich entschlossen, die eifrige und geduldige Ameise, die ich mit schrägem Blick aus der sommerlichen Ferienwiese beobachte, wie sie ein Holzstäbchen durch das Gras zu befördern versucht, hängen bleibt, von neuem zugreift, wieder hängen bleibt und ihre sperrige Last mühsam weiterjongliert, als hinge ihrer Seele Seligkeit daran - ich bin entschlossen, sie nie mehr zu belächeln, sondern sie gerührt zu verehren als das der göttlichen Geduld geheiligte Tier, beispielhaft, nachahmenswert und ermutigend in den trüben Augenblicken, wenn ich zum hundertsten Mal den Unterschied zwischen Infinitiv, Inperativ und Indikativ erkläre, zum tausendsten Mal denselben Rechtschreibfehler anstreiche und zum hundertfünfundachzigtausendneunhundertvierundsechzigsten Mal sage: 'Mayer - oder Müller oder Schuster - du träumst, paß lieber auf. Das trifft es eigentlich ziemlich genau. Auf Wiedersehen, BallastThursday, December 29. 2011Heute endet mein Mietverhältnis in Paderborn. Nach sieben Jahren in meiner Wohnung und (wenn auch unterbrochen durch dieses oder jenes Intermezzo) knapp zwanzig Jahren in Paderborn insgesamt endet meine Zeit im Oberzentrum des ostwestfälischen Karnevals. Ich nutze meinen Umzug für eine rigorose Ausmistung aller Dinge, die ich vermutlich nicht mehr brauchen werde: 2.000 Bücher übergebe ich dem Altpapier, vier blaue Säcke der Altkleidersammlung und vier Autofuhren dem städtischem Entsorgungszentrum. Das ist an sich schon durchaus bemerkenswert, da ich ja nicht gerade einen Twingo fahre, aber das Interessante ereignet sich eigentlich erst auf der alten Schanze: Ich stehe nach erledigter Fuhre so an der Laderampe und beobachte, was die Menschen alles so wegwerfen: - Da ist der Technikfreak, der eine Armada von kabellosem Krempel dem Elektroschrott übergibt - für was auch immer er all diese wireless keyboards und Mäuse erworben hat... - Ein junger Mann mit kleinen Kindern entsorgt Fliesen und anderes Badezimmerzubehör - er wirkt erleichtert und fast glücklich - vielleicht renoviert er gerade das neue Zuhause für seine Familie. - Ein weiterer entsorgt dieselben Dinge, schaut aber dabei erschöpft und unbewegt - er scheint gerade sein Elternhaus zu entsorgen - keine leichte Aufgabe. - Mit besonderem Elan wirft ein junger Mann eine Anzahl Bilderrahmen über die Laderampe - auf allen Bildern das Portrait einer jungen Frau - ich möchte nicht hinterfragen, was in ihm vorgeht... Ich selbst trenne mich leichten Herzens von dem ganzen Zeug - es war nur seelenloser, wenngleich hübscher Plunder. Ups, sorry, ...Monday, December 12. 2011
Das muss eine spontane Übersprungshandlung gewesen sein...
Wie in jedem Jahr...Monday, November 28. 2011einfach nur: wow. National Geographic Photo Contest 2011 Wer mehr von der Droge möchte: Dies sind die Jahre 2010 und 2009.
Was bleibt, wenn man sich die ganzen iGadgets wegdenkt?Thursday, October 6. 2011Das hier. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Die berühmt gewordene Commencement Address 2005 in Stanford: "Connecting the Dots". Er träumt auf der Bühne - ich tanze auf dem ParkettThursday, October 6. 2011Zwei Mal im Jahr bringe ich mein Auto in die Inspektion - und trotz der Apothekenpreise sind diese Inspektionen Jahreshöhepunkte. Denn während mein Auto zärtlich auf der Hochbühne von den Experten der Volkswagen AG gestreichelt wird, übernehme ich für diese zwei Tage den Privatwagen von Dr. M., meinem Kundenbetreuer. Dr. M. hat nicht nur eine etwas übertriebene Liebe zu einer bestimmten Billig-Eukalyptus-Menthol-Bonbon-Marke, von denen stets mindestens fünf Tüten (jede Tür plus Mittelkonsole) offen im Auto herumliegen, sondern auch einen etwas abseitigen Musikgeschmack. Trotz seines gesetzteren Alters und seiner seriösen beruflichen Ausstrahlung hört er ausschließlich Musik, die der Laie als "Partykracher" beschreiben könnte. Und so krache ich mich in diesen zwei Tagen durch die jeweils neuesten Ausgaben von "Ballermann-Hits 36", "Fetenhits 87", "Après-Ski-Hits 17" und so weiter, oder wie der Fachmann sagen würde: "Wir HÖREN keine Musik, wir ESKALIEREN!" Lassen wir uns die Prekariats-Poesie an zwei ausgwählten Abschnitten der heutigen A33 in den Gehörgängen zergehen - wer war noch gleich Fidelio oder DJ Giovanni oder wie der schon wieder hieß...?
Aus der beliebten Rubrik "Romantik 2.0" sehen wir heute...Tuesday, September 27. 2011 (c) xkcd.com
Posted by Ulrich Rosen
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00:12
Wenn man wissen will, was der Mensch wirklich ist,...Friday, September 23. 2011...dann muss man ihn nur mit sich selbst und den rohen Gewalten seiner unzivilisierten Umwelt konfrontieren... Es gibt eine Handvoll Bücher, die mich als Jugendlicher sehr geprägt haben: Hoimar von Ditfurths Meisterwerk "So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen" gehört dazu, der Bericht des Club of Rome zu den "Grenzen des Wachstums" gehört dazu, und ganz sicherlich gehören die Biosphären-Experimente dazu: Was passiert, wenn man Menschen in ein geschlossenes Ökosystem einfügt, in der er keine Ressourcen verbrauchen darf und kann, die nicht wieder in den Kreislauf eingespeist werden kann. Und was geschieht mit der Psyche der Menschen, wenn man sie zwei Jahre lang auf der Fläche von zwei Fußballfeldern einsperrt? Hier der aufregende Bericht einer ehemaligen Insassin, zwanzig Jahre nach der Idee: Willkommen in der Hölle im Glashaus.
Meine letzten dreißig Jahren lösen sich auf...Friday, September 23. 2011OK, eigentlich löst sich nur R.E.M. auf, aber wie könnte ich sagen "nur". Diese Band war der Maßstab aller Musik, die ich in den letzten drei Jahrzehnten gehört habe. Hören wir also noch einmal den legends @ work zu: It's the end of the world as we know it. And I can't help feeling sad...
The falling ManSunday, September 11. 2011
Foto © sueddeutsche.de Dieses Foto ist eine visuelle Ikone des 21. Jahrhunderts. Es prägt seine Zeit und es wird seine Generation prägen. Noch in Jahrzehnten werden wir es betrachten und diese schwer erklärbare Gefühlsmischung empfinden, die jedem zur Ikone gewordenen Foto anhaftet (Beispiele hier). Während viele davon schreiben, dass dieses Foto für sie den Beginn des 21. Jahrhunderts symbolisiere und dieser Tag die Welt für immer verändert habe, ist MEINE fotografische Ikone des 21. Jahrhunderts dieses Bild:
Foto ©
Richard Drew, Associated Press Dieses Bild ist unwiderstehlich für mich – es zerreißt mich: Was geht in einem Menschen vor, der sich freiwillig aus dem 106. Stock eines brennenden Gebäudes stürzt, vor Feuer und Rauch flieht, und mit dem Sprung die letzte mehr oder weniger freie Entscheidung seines Lebens trifft. In dem Wissen, dass es vor dem Tod kein Entkommen geben kann. Was fühlt man während dieser 10 Sekunden freien Falls aus rund 400 Metern Höhe? (Wer sich für die persönliche Geschichte des Falling Man interessiert, kann sich hier den Dokumentarfilm von Singer/Junod anschauen.) Dieses Bild ist obszön, es ist zynisch, voyeuristisch und widerlich. Ich schäme mich fast, dass ich es wie gebannt betrachten muss und meinen Blick nicht abwenden kann. Doch da ist noch mehr. Dieses Bild strahlt eine seltsame Ästhetik aus, Ruhe, Frieden. Die senkrechten Streben der Fassadenverkleidung und die fast biblisch anmutenden Pose des Fallenden verleihen dem Moment eine Freiheit, die mich befremdet zurück lässt. Immer und immer wieder muss ich dieses Bild betrachten, stundenlang und kann meinen Blick nicht abwenden. Um zu erklären, warum dieses Bild meine persönliche Ikone des 21. Jahrhunderts ist, muss ich ausholen. Meine Vorgeschichte Amerika war in meiner Familie immer ein Thema. Brüder/Cousins meines Großvaters waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert und in den frühen Dreißigerjahren vor geistiger Enge, Hunger und Arbeitslosigkeit aus Deutschland geflohen. Ihre Familien wohnen heute in Cincinnati/Ohio. Von diesen entfernten Onkeln Post zu erhalten oder angerufen zu werden (in einer Zeit, in der eine Minute telefonieren in die USA fünf D-Mark kostete) war wie Weihnachten und die Verheißung einer anderen, großartigeren Welt. Und für diese Familien war es ja auch genau das: Alle neu gewordenen Amerikaner waren zu Hause Ausgestoßene, die vor religiöser, politischer oder gesellschaftlicher Verfolgung oder einer verheerenden Wirtschaftslage in ein besseres Leben flüchteten. Fast jeder achte Amerikaner hat deutsche Wurzeln, Deutsch war das gesamte Jahrhundert über die wichtigste Fremdsprache, und wie alle Einwanderer flohen auch meine Verwandten in eine Zukunft, die ihnen glücklicher erschien. Das Bewusstsein, dass jeder Bürger Amerikas in irgendeiner Form ein Flüchtling war oder ist, hat in der amerikanischen Gesellschaft bestimmte Eigenschaften kultiviert: Amerika pflegt eine Kultur des Willkommenseins für Fremde – jeder darf mitmachen, wenn er etwas kann und sich anstrengt. Die aus der kurzen Geschichte des Landes und seiner Besiedelung entstehende Fremdheit der Bürger untereinander führt zu einem höflichen und rücksichtsvollen Verhalten im Alltag – man redet grundsätzlich freundlich übereinander, wünscht sich das Beste und erwartet eine positive Grundhaltung. Nur oberflächliche Menschen halten das für Oberflächlichkeit. Mein Amerika 1998 kam ich aus verschiedenen Gründen in die USA: Der Aufenthalt war zunächst die Belohnung für mein gerade bestandenes Lehrer-Examen. Gleichzeitig jedoch wollte ich Prof. Martha J. Farah von der University of Pennsylvania treffen, die als damals führende Expertin im Feld der Cognitive Neurosciences meine kurz vor der Fertigstellung befindliche Master-Arbeit betreut hatte, um mit ihr letzte Fragen zu diskutieren. Der abschließende Aufenthalt in New York diente der Forschungsvorbereitung meiner Doktorarbeit – hier und in den Kliniken in Boston befanden sich zu der Zeit die wichtigsten Neurologie-Abteilungen des Landes. Gleichwohl ich gelegentlich auch in Hostels und Wohnheimen übernachtet habe, habe ich die meiste Zeit bei befreundeten Familien verbracht. Für diese war ich praktisch ein Fremder, doch von ihnen und tatsächlich von allen Menschen, die mir begegnet sind, wurde ich mit herzlicher Gastfreundschaft aufgenommen. Alle Türen standen grundsätzlich offen, ich wurde sofort in alles mit eingebunden, als sei ich ein langjähriger Teil der Familien. Noch in der heutigen Rückschau fasziniert und begeistert mich diese Offenheit und Unbefangenheit, die mir überall begegnete. Ich möchte drei Beispiele erzählen, die zwar unverbunden nebeneinander stehen, mich aber auch und gerade deswegen nachhaltig geprägt haben: Prof. Farah kannte mich nicht, als ich meine Master-Thesis begann. Aber alle relevante Literatur in meinem Forschungsfeld zitierte ihre Bücher. Also schrieb ich ihr eines Tages einfach einen Brief und stellte ihr Fragen zu ihrem Buch und zu zentralen Thesen meiner Arbeit. Einige Wochen später, man benutzte noch so gut wie keine E-Mails, kam ihr Brief zurück und sie kommentierte meine Ausführungen. Die Studenten (oder noch besser: die Lehrenden) unter euch stellen sich das bitte mal vor: Du bist die maßgebliche Institution in Deinem Feld und bekommst eine seitenlange Anfrage eines unbedeutenden Studenten aus einem unbedeutenden Land. Von der Beantwortung seiner Fragen hast Du keinerlei Vorteile, wahrscheinlich wird es nicht einmal jemand je erfahren. Warum solltest Du das also tun? Sie tat es. Als ich sie in ihrem Büro in der Walnut Street in Philadelphia besuchte, standen nicht nur metaphorisch alle Türen offen – es standen einfach alle Türen offen. Ich ging einfach in die Universitätsgebäude und alle Studenten, Verwalter und Lehrenden waren unglaublich hilfsbereit. An meiner Universität wäre das nicht möglich gewesen – hier erlebte ich vor allem akademische Engstirnigkeit, Borniertheit und maßlos aufgeblasene Egos. Stellvertretend für zu viele meiner Professoren sei an Prof. Michels erinnert, der sich trotz seiner Bedeutungslosigkeit in der Forschungscommunity in der ersten Vorlesungswoche vorstellte mit dem Satz: „Guten Tag, mein Name ist Prof. Dr. Michels, und ich habe gerade mein Lebenswerk über Paul Celan vollendet.“ An der UPenn, die als Ivy League-Universität zu den sieben führenden Universitäten der USA zählt, erlebte ich weltweit bekannte Geistesgrößen, die durch Bescheidenheit, Zurückhaltung und Großzügigkeit bestachen, gleichwohl sie das nicht nötig gehabt hätten. Nach der Zeit in Philadelphia erlebte ich an der New York University und den umliegenden Einrichtungen die gleiche Einstellung. Doch besonders geprägt hat mich eine Szene am Rande des Central Parks. Die 5th Avenue entlang der Upper East Side ist das Zuhause einiger der coolsten Gebäude New Yorks. Wer amerikanische Serien schaut, vor allem Gossip Girl, der kennt das Palace und die umliegenden Hotels und Penthouses. Einer der Luxus-Apartment-Komplexe hat mittig einen zum Central Park ausgerichteten Balkon. Wir gingen einfach in die Lobby, grüßten freundlich, fuhren mit dem Fahrstuhl in den Brückentrakt und gingen auf den Balkon. Letztens habe ich dasselbe mal in Abu Dhabi und in Peking getan, aber das ist eine andere Geschichte, deren Ausgang vorhersehbar ist… „Mein Amerika“, um es zusammenzufassen, ist ein offenes Amerika, in dem Dir die Menschen nicht mit Misstrauen und Vorbehalten, sondern mit Offenheit und Freundlichkeit begegnen. Es ist ein Amerika, das Ausländer willkommen heißt, Leistung honoriert und hungrigen Menschen mit offenen Armen entgegen geht. Ein Land, das keine Überwachung braucht, sondern Initiative fördert, das abweichende Meinungen und Ansichten sinnvoll findet und in allem grundsätzlich das Bereichernde sieht. Mein Amerika ist der amerikanische Traum, der Pursuit of Happiness und die Freiheit, sich entfalten zu können und dabei willkommen zu sein – ich hatte die beste Zeit meines Lebens. Mein 11. September 2001 war ich Leiter der Abteilung Investor Relations der I-D Media AG in Berlin, Weltmarktführer für E-Business-Anwendungen und Online Services. Mein 11. September begann wie so gut jeder Arbeitstag: Ich war gegen 8:30 im Büro, las Handelsblatt und FTD, beobachtete das Closing der asiatischen Börsen und dann um 9 Uhr die Eröffnung des deutschen Börsenhandels. In Berlin herrschte ein ähnlich großartiges Wetter wie in New York, der kristallklar blaue Himmel wird eine auf ewig surreale Erinnerung bleiben. Der Tag plätscherte so dahin – Anfang September ist im Bereich IR nicht viel los: Viele Kunden, Investoren und Fonds Manager befinden sich im Urlaub, der Halbjahresbericht ist abgefrühstückt und Frankfurt hält eher still. Gegen kurz vor 16 Uhr, wir sind sieben Stunden weiter als New York, pulsiert Aufregung durch die ICQ-Kanäle der Firma: Die Nachricht von einem Flugzeugunfall in Manhattan macht die Runde, doch niemand weiß etwas Genaues. Wir versuchen, die Lage bei den einschlägigen News-Portalen zu prüfen, doch alle Server sind bereits kollabiert – das ist mindestens mal seltsam, denn wenn Spiegel Online, alle anderen deutschen Zeitungen und CNN in die Knie gehen, ist vermutlich etwas im Gange. Wir versuchen also, einen Fernseher aufzutreiben. Der Fernseher in meinem Büro ist nur eine Abspielstation für unsere Show Reels, er hat keinen Fernsehempfang. Schließlich finden wir einen funktionierenden Fernseher im Creative Development, einer Abteilung unseres Unternehmens, die im Wesentlichen durch ihr faszinierendes Verhältnis zu Schnee-involvierenden Betätigungen auffällt. Dort sehen wir auf CNN die Bilder des rauchenden Nordturmes und der Tenor der Berichterstattung ist, dass eine kleine Sportmaschine dort eingeschlagen sei. Mich lässt das Ganze eher kalt: Zwar habe ich Familie in New York, zwar haben wir wichtige Kunden in New York, zwar sitzen unsere amerikanischen Börsenkollegen im WTC, aber wen interessiert schon ein Sportflieger-Unfall, das habe ich schon dutzendfach zuvor in der Presse gesehen. Ich zucke also mit den Achseln, entwerfe im Geiste die Pressemeldungen den Folgetages (bedauerlicher Unfall: Pilot nach Herzinfarkt tot, drei Verletzte im WTC, weitere Verletzte durch herabfallende Trümmer, blablabla) – alles in allem belanglos. Das WTC ist ein Koloss von biblischen Ausmaßen, er überragt die Skyline von New York auf fast obszöne Weise und jeder, der mal auf dem Dach gestanden hat, weiß, dass dieses Ding unverwundbar ist. Ein Sportflieger? Lächerlich! Wen interessiert denn sowas? Der prallt an der Außenfassade doch einfach ab! Ich gehe also wieder in mein Büro und arbeite weiter. Wenig später eskaliert die Lage und das Firmen-ICQ überschlägt sich. Ich gehe wieder runter ins Creative Development und sehe die Bilder, die in diesem Moment zwei Milliarden Menschen sehen: Das zweite Flugzeug schlägt in den Südturm ein. Immer und immer wieder. In Ermangelung von Fakten und Bildmaterial wiederholt CNN einfach immer wieder diesen Einschlag, was sollen sie auch sonst machen. In dem Moment wird uns klar: Es ist kein Sportflugzeug, es ist kein Unfall. Das ist eine richtige Passagiermaschine und das ist kein Zufall. Im Büro herrscht entsetztes Schweigen. Ich kann es einfach nicht fassen: Man kann eine Boeing in vollem Flug in einen Wolkenkratzer jagen? Und vor allem: was soll das? Wenig später ist die Rede von einem terroristischen Anschlag. Die Einschläge in das Pentagon und in Philadelphia lassen die Lage vollends eskalieren – ein groß angelegter Angriff auf die USA ist im Gange, was immer das heißen mag. Ab 18 Uhr ist regelgeleitete Arbeit in meinem Unternehmen nicht mehr möglich: Der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter liegt bei 28 Jahren und niemand kommt mit dem Ausmaß der Situation klar. In einer verständlich unbeholfenen E-Mail gibt der Vorstandsvorsitzende den Mitarbeitern den Rest des Tages frei. Am nächsten Tag halten wir unternehmensweit eine Schweigeminute, ich glaube, das war gegen elf Uhr. Es fühlt sich seltsam an. Wir haben wichtige Wurzeln in den USA (Warhol u.a.) und ein Angriff auf Amerika ist irgendwie gefühlt auch ein Angriff auf das, was wir tun. Die Newsticker überschlagen sich, an arbeiten ist nicht zu denken. In Ermangelung von Fakten laufen die immer gleichen, bereits bekannten Bilder von den Einschlägen und brennen sich in die Netzhaut. Ich versuche, die Familie in New York zu erreichen. Cathy ist Aktienhändlerin und arbeitet im WTC, Frank ist Investment Banker, arbeitet im Empire State Building, ist aber ständig im WTC zu Besuch. Alle Telefonleitungen sind tagelang tot, niemand ist zu erreichen. Nach knapp zwei Wochen endlich die erste Nachricht: Cathy war zu Hause bei den Kindern, Frank im ESB. Beide haben Freunde und Kollegen verloren, ihnen selbst und den fünf Kindern ist aber nichts passiert. Ich schreibe irgendeinen emotionalen Blödsinn wie „god bless you“, was als Hardcore-Ungläubiger doch sehr seltsam wirkt, aber ich bin total überfordert von der Situation und schreibe insgesamt nur verstörten Quatsch. Der Beginn des Krieges Am 20. März flog ich von London nach New York, um für das amerikanische Sportministerium zwei Vorträge auf einem Kongress zu halten. Dieser Flug war eine insgesamt eher mittelmäßige Idee, denn an diesem Tag begann der Blitz on Baghdad, die Invasion der US-Truppen im Irak, mithin also der Beginn des zweiten Golfkrieges. Wer sich für das Prozedere dieses aufreibenden Tages interessiert, lese hier weiter… The Fog of War Der Krieg gegen Saddam Hussein war ein einziger Abgrund: Es gab keine Massenvernichtungswaffen, mit 9/11 hatte das per se nichts zu tun, die Verbindung zum Öl-Export war schmerzhaft offensichtlich, Völkerrecht, UNO und Europa sagten „Nein“ und die martialische Rhetorik des „wer nicht für uns ist…“ oder der „Achse des Bösen“ war unerträglich. Vor diesem Krieg war Saddam unser Verbündeter, denn er war der Feind des Iran. Der Feind meines Feindes ist schließlich mein Freund. Das Giftgas, mit dem Saddam Hussein die Kurden vergast hat, hat Donald Rumsfeld persönlich geliefert, als der Irak noch unser Freund war. Die Waffen kamen aus Deutschland. In den Iran wiederum (und als das Embargo dann mal griff in dessen befreundete Staaten) haben wir Panzerteile und das Know How zu deren Bau geliefert. Der Krieg gegen die Taliban machte die Lage noch schlimmer: Als die Russen noch unsere Feinde waren, waren die Taliban heldenhafte Widerstandskämpfer, die mit unserem Know How und unseren Waffen ausgerüstet wurden. Doch dann fingen sie an, diesen Mädchen die Nasen abzuschneiden. Und dann brach es sich Bahn: Guantanamo, Falludscha, Abu Ghureib, WikiLeaks. Die Angst vor erneuten Anschlägen und der Zwang zu Erfolgen hebelt alles aus, was bisher anerkannt war. Das Völkerrecht wird geschleift, die Genfer Konvention ist ausgesetzt, Geheimgefängnisse beherbergen Zehntausende, schlimmstes Soldatenverhalten scheint zur Norm zu werden und Folter ist anerkannte Praxis. Eine Nation scheint gefangen in der Logik des Krieges. Zehn Jahre später Unsere Welt ist in den letzten Jahren weniger sicher geworden. Ich fliege viel und ich hasse dieses Pseudo-Ballett, das wir bei jedem Flug mit den Sicherheitskräften aufführen, und das gleichzeitig so wirkungslos ist. Unsere Welt ist weniger demokratisch geworden, denn die bürgerlichen Freiheiten wurden geschleift. Unsere Welt ist weniger attraktiv geworden, denn wir radikalisieren uns immer mehr in ein sinnfreies „wir-gegen-die“. Und unsere Welt ist weniger frei geworden, denn wir leben mir Überwachung und Fahndung überall. Mein Amerika, reloaded Der Patriot‘s Act und die Homeland Security haben aus einer mutigen Nation eine angsterfüllte gemacht. Die Ölfirmen und ihre Verbindung ins Weiße Haus haben aus einer selbstbewussten Nation eine hörige gemacht. Guantanamo hat aus einer freien Nation ein Gefangenenlager gemacht. Falludscha hat aus einer kämpferischen Nation eine Mördertruppe gemacht. Abu Ghuraib hat alles unterboten, was jemals vorstellbar war und WikiLeaks hat offengelegt, wie sich all das entwickelt hat. Der 11. September hat aus dem gelobten Land ein Land wie jedes andere auch gemacht: Über alle Maßen verschuldet, mitten in der Wirtschaftskrise, insgesamt nur mittelmäßig bedeutend, korrupt, fremdenfeindlich, innovationsfeindlich, unmenschlich im Krieg, unfähig zum Frieden. Mein Amerika gibt es nicht mehr. Alles, was ich in den USA erlebt habe, ist hinfällig geworden – der amerikanische Traum existiert nicht mehr. Amerika ist mein falling man, es ist der starke, selbstbewusste Mann, der im Angesicht der Bedrohung in den sicheren Untergang springt. Die Zukunft Die bitterste Pointe des 11. September sind nicht die Opfer des Anschlages. Es sind die Opfer der Angst. Die Angst vor einem erneuten Anschlag und der Zorn über die Angriffe auf heimischen Territorium haben die Amerikaner vergessen lassen, was diese Nation einmal groß gemacht hat: Das Versprechen auf Freiheit, das Versprechen, dass jeder so glücklich werden darf, wie er es für richtig hält. Die Offenheit, die ich erlebt habe, ist Metalldetektoren und Misstrauen gewichen. Die Terroristen haben gewonnen, mehr als sie es sich wahrscheinlich jemals hätten träumen lassen: Amerika hat Angst, vertraut sich nicht mehr selbst, glaubt nicht mehr an seine Größe, hat sich ruiniert in monströsen Kriegen und ist nur noch ein beliebiges Land unter zahlreichen anderen beliebigen Ländern. Was soll ich noch da? Als ich 1998 zum ersten Mal die Skyline Manhattens im Abendlicht der Staten Island Ferry say, wusste ich, dass hier alles möglich ist. Als ich 2003 die klaffende Wunde im Fleisch Manhattens sah, verstand ich, dass Terrorismus nur funktionieren kann, wenn man das auch zulässt. Heute verstehe ich, dass die Terroristen gewonnen haben. Good bye, my America.
Posted by Ulrich Rosen
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15:46
Aus der Reihe "Helden meiner Jugend", heute: LoriotTuesday, August 23. 2011RIP, Du bleibst eine Ikone. Reisebericht China 2011: Sonntag, 21. August: Yes, I do.Sunday, August 21. 2011
Der festive Höhepunkt meiner im vorherigen Eintrag beschriebenen Woche war unzweifelhaft die Einladung zur Hochzeit eines entfernten Kollegen. Was ich dort sollte, war mir zunächst unklar, schließlich kennen wir uns nur entfernt, doch im Nachhinein verstehe ich. Besagter Kollege hat in den letzten Jahren im Ministerium Karriere gemacht und gehört jetzt zur Entscheidungs-Elite im Sport- und Gesundheitsministerium. Deshalb ist bei seiner Hochzeit auch die Presse anwesend und damit schließt sich dann der Verständnis-Kreis, doch von vorn:
Wer in Peking etwas auf sich hält und ein Ausrufezeichen hinter seine Hochzeit setzen möchte, der feiert im Ball-Saal des Hilton Hotels. Joe Biden war auch gerade da und so werde ich unter fulminantem Polizeischutz im Hotel vorgefahren. Da es in China keine religiösen Vorschriften für Hochzeiten gibt und die Machtübernahme der KP 1911, vor allem die Kulturrevolution in den 70er-Jahren, alle gewachsenen Traditionen zerstört hat, kann sich jeder seine ganz individuelle Zeremonie gestalten und liegt damit immer richtig - die einzigen Maßstäbe sind hier Geld und die Kreativität der Wedding-Planner-Agentur, die praktischerweise im Erdgeschoss des Hilton ihr Büro hat. Und so ereignet sich vor über hundert Gästen, der Presse und einigen geladenen Spitzensportlern und -funktionären eine bunte Hochzeitshow in einem Ball-Saal, der überreich mit tausenden weißer Rosen geschmückt ist. Es gibt verliebtes Karaoke des Bräutigams (ausgerechnet Richard Marx "Right here waiting for You", ganz schlimm), Champagner-Schalen-Pyramiden füllen mit Magnum-Flaschen, Kuss-Spielchen, dreistöckige Torten, Kerzen anzünden, Video-Shows mit Sätzen wie "The greatest Love has finally come to eternal Marriage", rituelles Teetrinken mit den Eltern und weniger rituelles Schnapstrinken mit den Gästen - vermisst habe ich eigentlich nur die weißen Tauben :-) Das ganze wurde zelebriert von einem bekannten Fernseh-Moderatur, den man sich für den Event eingekauft hatte. Wünschen wir Glück, wenn der Alltag kommt... Reisebericht China 2011: Samstag, 20. August: Mein Leben als FototapeteSaturday, August 20. 2011
Der Tourismus-Tag am 14. August (Fotos folgen) und die Rückkehr von Datong nach Peking am 15. August verliefen erwartungsungemäß reibungslos und zügig, doch seitdem ereignet sich etwas, was ich aus den vergangenen Jahren zwar kannte, aber in diesem Ausmaß noch nicht erlebt habe.
Seit Dienstag bis heute habe ich kein Essen mehr bezahlt - knapp eine Woche lang wurde ich tatsächlich zu jedem Mittagessen und zu jedem Abendessen von irgendwelchen Delegationen, Würdenträgern und Repräsentanten eingeladen. Im Gegenzug dann leider auch immer Interviews, Presse und Fototermine. Alle Gastgeber tischen immer opulent auf, was in China durchaus problematisch ist, denn so sehr ich die normale chinesische Küche schätze, so "exotisch" ist die Spezialitätenküche. Und so habe ich mich eine Woche lang durch die Lungen, Gehirne, Mägen, Gedärme, Penisse, Hoden, Herzen, Nieren, Lebern, Füße, Ohren und Schwänze aller möglichen und unmöglichen Tiere gegessen. Der Höhepunkt einer an Höhepunkten nicht armen Essensfolge: gegrillte Stücke von der Bein-Sehne des Schafes am Spieß. Really, come on, I mean... Schafs-Sehne als Grillspieß??? Die Küchenkenner unter euch werden jetzt zu Recht darauf hinweisen, dass Sehne ja kein Fleisch hat (deswegen schneiden wir das ja auch immer weg) und daher doch eigentlich total trocken und - nunja - "sehnig" schmecken müsste. Und genau deshalb ist jedes zweite Stück auf dem Grillspieß auch einfach mal ein stück schieres Fett. Besser wird es dadurch nicht... Das Dschungelcamp ist für mich nur noch ein Achselzucken. Reisebericht China 2011: Samstag, 13. August: Missbrauch ist nur, wenn das Opfer das auch so empfindet, oder?Saturday, August 13. 2011Heute Mittag beordert das Organisationskomitee eine ausgewählte Gruppe der höchstgraduierten Ausländer zu einer ganz besonderen Veranstaltung: Die Gründung eines neuen Verbandes und die Eröffnung eines neuen Zentrums sollen gefeiert werden. Erst nach einer Weile beginnen wir uns zu fragen, was wir hier eigentlich verloren haben und registrieren spätestens, als wir zum hundertsten Foto vor die Presse gezerrt werden, dass wir hier eigentlich nur die Foto-Tapete für die örtlichen Chefs sind, die sich in im Fernsehen etc. wichtig machen möchten und sich dazu mit uns umgeben. Reisebericht China 2011: Samstag, 13. August: A Man's got to do what a Man's got to doSaturday, August 13. 2011
Wie viele Möglichkeiten gibt es, den Morgen nach den Wettkämpfen zu gestalten und womit?
Wer die richtige Antwort kennt, gewinnt den diesjährigen China-Quiz-Preis. Ich bin gespannt... Reisebericht China 2011: Freitag, 12. August: As I walk through the Shadow of the Valley of DeathFriday, August 12. 2011
OK, also Wettkampftag, finally...
Breiten wir einfach den Mantel des gnädigen Schweigens über die Organisationsleistung des Veranstalters. Das ist wirklich das Inkompetenteste, was ich in über zwanzig Jahren erlebt habe - was für ein Tiefpunkt.. Zur Lage: Schwertform 9,7 / Säbelform 9,77 / Handform 9,8 Damit ist dann wohl alles gesagt. Zur Belohnung gibt's Thunfisch-Sandwiches und Heineken :-) Reisebericht China 2011: Donnerstag, 11. August: Feels like I been down this Road beforeThursday, August 11. 2011
Jaaaaaaaaa, Organisation ist immer auch etwas Spezielles, aber von vorn:
Nach einem turbulenten Mittwoch möchte ich gerne ausschlafen, melde mich deshalb bei der mir zugeteilten Betreuerin für den Vormittag ab und hänge entsprechend das "Do not disturb"-Schild an die Tür. Gegen elf Uhr schrecke ich hoch, weil es unaufhörlich klopft. Ich ignoriere das eine Weile, jedoch unterliegen meine Nerven nach einigen Minuten - wer ist eigentlich so schräg drauf, dass er minutenlang unaufhörlich an eine Tür klopft, hinter der sich absolut nichts regt. Ich öffne also entsprechend genervt, und: Meine Betreuerin, bei der ich mich gestern Abend für das Frühstück abgemeldet habe, steht vor mir und möchte bitte mit mir sprechen. Ich frage sie (und viele Leser hier kennen diesen Satz aus eigener Inkompetenzerfahrung), welchen Teil des Satzes "Do not disturb" sie denn nicht verstanden habe. Humor ist ebensowenig ihre Stärke, wie Organisation, deswegen überspringe ich das nach kurzer Zeit und frage sie, was sie denn möchte. Und was möchte sie: Sie möchte mir meine Marke für das heutige Frühstück geben. Genau, das Frühstück, an dem ich nicht teilnehmen wollte, für das ich mich bei ihr abgemeldet hatte und das vor allem seit zwei Stunden vorbei ist. Auf meinen ratlosen Blick erfolgt leider kein weiteres Gespräch mehr. Den Nachmittag verbringen wir dann mit On-Site-Training, was immer wichtig ist, weil jeder Boden anders auf Belastungen reagiert und auch die Licht- und Tonverhältnisse einen Wettkampf entscheiden können. Um es kurz zusammenzufassen: Eine Katastrophe. Das Ganze findet in einer ehemals olympischen Austragungsstätte statt, die Halle ist also eigentlich top-modern und mehr als nur funktional ausgestattet. Jedoch: Die Klimaanlage funktioniert schon mal nicht, was bei indoor 35 Grad schon beim Aufwärmen die ersten unschönen Belastungsreaktionen mit sich bringt. Das Schlimmste ist allerdings der Boden. Auf einem traumhaften Parkett liegen nicht verklebt verlegte Teppichläufer, was dazu führt, dass sich die Bahnen kantig überlappen und sich bei Belastung gegeneinander verschieben. Die ersten Drehsprünge und tiefen Gleitschritte schieben die Teppiche gegeneinander auf. Dazu kommt, dass die Teppiche alt und abgeranzt sind, was sie viel zu stumpf macht. Ein Hineingleiten in die Schritte ist ebenso unmöglich, wie hohe, gedrehte Tritte. Insgesamt ein Desaster. Ein Lichtblick nach zwei Stunden Timingproblemen: Wie jedes Jahr beim On-Site-Training kommt irgendwann die Chef-Kampfrichterin und möchte, dass ich das Kalibrierungs-Opfer für ihre Kampfrichter spiele. Die Idee dahinter ist, dass jeder Kampfrichter trotz aller Verpflichtung auf objektive Maßstäbe eben immer auch seinen eigenen Maßstab hat. Ich demonstriere also vor allen Kampfrichtern unverbindlich eine Form und die Kampfrichter können sich dann anschließend darüber verständigen, was sie für Fehler gesehen haben und warum sie welche Bewegung wie bewertet haben - eine gute Sache also, die vor allem denjenigen Kampfrichtern, die auf diesem Level neu sind, Sicherheit gibt. Diese ganze Geschichte wäre eigentlich nicht besonders interessant, wenn nicht das abschließende Gesamturteil für meine Handform eine 9,6 gewesen wäre. Die Eingeweihten unter euch werden das einzuschätzen wissen :-) Die anschließende Eröffnungsgala ist eine bunte Mischung aus Kampfkunst-Show, Tanz-Darbietungen, traditionellen und modernen Einlagen und macht viel Freude, weil sich alle so unglaublich viel Mühe geben. Besonders lustig: Die Show wird moderiert von einem Paar - der Mann moderiert auf Chinesisch, die Frau auf Englisch. Leider hat irgendjemand der Dame die falschen Moderationskarten gereicht, denn sie moderiert ständig etwas Unpassendes an: Es betreten gerade 120 Grundschulkinder für eine Wushu-Performance die Halle und sie sagt: Wir sehen nun die Latein-Tanz-Gruppe der Oberstufenschüler. So geht das den ganzen Abend lang - ein großer Spaß. Insgesamt ist die Nervosität für Morgen deutlich zu spüren - alle sind ein wenig geschockt vom organisatorischen Chaos und dem schlechten Zustand der Halle. In China gelten sicherlich andere Maßstäbe für organisatorische Performance, aber allen steht das WTF ins Gesicht gemeißelt. Schauen wir, was der morgige Wettkampftag bringt... 祝我好运 Reisebericht China 2011: Mittoch, 10. August: They called the Highway Thunder RoadWednesday, August 10. 2011
Nachdem der vorherige Montag und Dienstag mit letztem Feinschliff und Timing-Korrekturen vergangen sind, reisen wir heute nach Datong und checken ein im Great Palace Hotel.
Die Fahrt selbst ist mehr eine Ganztagesreise, bei der sich die 300 Kilometer auf schlanke sechseinhalb Stunden Fahrt ziehen. Als dann mehrere Busladungen Sportler schließlich deutlich verspätet im Hotel eintreffen, ist die Organisation entsprechend überfordert und der Abend chaotisiert sich so dahin. Was es dann wieder erträglich macht: die Provinz Shanxi, deren Hauptstadt Datong ist, ist unter anderem für ihren hochwertigen Schnaps berühmt, und davon hat der lokale Sponsor gleich mal ein paar Kisten für das Begrüßungs-Dinner springen lassen. Merke: Trinken bis zum Verlust des Erinnerungsvermögens kann eben auch eine Organisationsstrategie sein. Ansonsten hat meine Suite gleich mal 70 Quadratmeter und einen 42'' Plasma, wir sind hier also recht fürstlich bedient. Morgen ist letztes Training, hoffen wir, dass das organisatorisch besser läuft... Reisebericht China 2011: Sonntag, 7. August: May the Crave be with YouSunday, August 7. 2011Ich wache auf und verspüre etwas, was ich in China in jedem Jahr nach gut einer Woche verspüre: Den unbändigen Drang, Kaffee zu trinken. Da ich ja auch in Deutschland grünen Tee trinke, ist mir das Fehlen von anständigem Kaffee in meiner chinesischen Umgebung eigentlich weitestgehend schnuppe, aber gelegentlich erreicht dieser ganze Tee- und Tofu-Konsum einen gewissen Sättigungsgrad und mich verlangt nach Kaffe, ja Kaffee und nichts als Kaffee. Ich fahre dann in der Regel in eines der umliegenden Geschäftsviertel und besuche den örtlichen Starbucks. Dann ist wieder für einige Tage Ruhe mit dem Crave. In weiser Voraussicht habe ich mich in diesem Jahr jedoch schon wohlweislich an der Minibar des Resorts in Abu Dhabi mit einigen Päckchen Instantkaffee für den irgendwann eintretenden Suchtfall eingedeckt. Ich freue mich also entsprechend wie ein Kind über meine Klugheit, und mit fast schon zitternden Händen krame ich heute Morgen das Kaffeepulver aus dem Koffer, kann die Vorfreude kaum noch ertragen muss dann feststellen: Ich habe statt des Kaffeepulvers das Milchpulver eingepackt. Meine Dopamin- und Cortisol-Spiegel tauschen die Plätze und ich bin den Tränen nahe. Zum Ausgleich bin ich dann heute Nachmittag in zwei Shopping-Malls gefahren, die hier ja alle auch am Sonntag aufhaben, weil in diesem China keine beknackte religionsfaschistoide Gruppierung der Meinung ist, dass alle Menschen am Freitag/Samstag/Sonntag/Wannauchimmertag nicht einkaufen dürfen, nur weil sie selbst da grad irgendwelche Psychosen anbeten muss. Nach zehn Espressi zittern mir dann jetzt wirklich die Hände…Reisebericht China 2011: Samstag, 6. August: What you see is what you getSaturday, August 6. 2011Ein trainingsfreies Wochenende steht mir ins Haus – nach sieben Tagen Dauerbelastung war das unumgänglich. Ich verbringe den Tag im Bett und wenn ich nicht schlafe, dann zappe ich mich durch die 36 Fernsehkanäle. Und sehe: nur Bekannte. Bei China sucht den Superstar und X-Factor trällern mäßig begabte Jungendliche ohne echte Freunde die immer gleichen Lieder und ein omnipräsenter Bohlen darf zwischen zwei nichts-zu-sagen-habenden hübschen Mit-Jurorinnen rumpöbeln. Bei den einschlägigen Kochshows sind die Fernsehköche in China genauso unsympathisch, wie in Deutschland. Und faszinierend: Wie in Deutschland auch haben so gut wie alle dieser unsäglichen Köche alberne Zacherl-Bärte. Vielleicht ist das ja ein internationaler Branchentrend. Von der Kochshow geht es direkt zum QVC-Pendant, wo zwei aufgedrehte Moderatoren mit pink- und türkisfarbenen Schürzen vor bonbonfarbener Kulisse zu schmissiger Musik 8-teilige Woksets an die Frau bringen. Unerträglich, also weiter… Ich hänge fest bei einem Galileo-Klon, wo mir jemand im Strömungskanal den Magnuseffekt erklärt. Nicht schlecht, jetzt habe dann auch ich verstanden, warum David Beckham ein guter Fußballer ist. Ich hatte den ja trotz dieses oder jenes sich kurvenden Freistoßes gleichwohl fußballerisch eher für einen Loser gehalten. Wieder was gelernt, Danke, Galileo. Als nächstes begegne ich den Protagonisten der chinesischen Soap-Variante von Verbotene Liebe – ganz schlimm, denn Lüge, Neid, Intrige und schlechte Dialoge schlechter Schauspieler funktionieren auch hier nicht, schnell weg. Der Höhepunkt des Zappens: Das chinesische Dschungelcamp. Ich brauche einige Minuten, um mich sprachlich und optisch zu versichern, dass es sich tatsächlich um einen Art Spielshow wie in Deutschland handelt, und nicht einfach um den Livestream aus einem chinesischen Strafarbeits- oder Umerziehungslager. Das Moderatorenpaar überzeugt mich schließlich, denn auch das fragwürdige Konzept Bach/Zietlow scheint international gängig zu sein. Gleichwohl ist mir nicht ganz klar, wie in diesem chinesischen Dschungelcamp die Essens-Mutproben aussehen sollen. Was genau soll man denn als Mutprobe servieren, wenn schon ein ganz normales Straßenrestaurant frittierten Hundepenis auf der Karte führt? Mein bevorzugtes Sendeformat führt das Chinesische Staatsfernsehen leider nicht. Mein Favorit wären ja die chinesischen Ludolfs gewesen: Vier dicke Prollchinesen führen einen Rikscha-Schrottplatz, arbeiten nach dem Konzept von „Li he Zhang“ und pöbeln dabei über die Welt im Allgemeinen und die Kundschaft im Besonderen – da wäre ich zum Fan geworden…Reisebericht China 2011: Samstag, 30. Juli: Welcome to Trainville – againSaturday, July 30. 2011Der erste Tag in China ist immer auch der – Kunstpause, wer hätte das gedacht – erste Trainingstag. Und so nehmen die Dinge ihren gewohnte Lauf, wie könnte es anders sein: Nach fünf Minuten schweißgebadet, nach zehn Minuten die Analyse „many problems“, nach einer Stunde das Urteil „nide shenfa buhao“, nach zwei Stunden nicht mehr zurechnungsfähig. So geht das jetzt sieben Tage lang. Außer trainieren, essen und schlafen ist mein Leben abgemeldet. Immerhin, am siebten Tag fast so etwas wie ein knappes Lob in der fast biblisch anmutende Feststellung: „better now“. Reisebericht China 2011: Freitag, 29. Juli: The World could be so beautiful…Friday, July 29. 2011Der Flug ergeht sich weitgehend in Turbulenzen, Aufstehen ist über Stunden unmöglich, Service auch, alle Kinder schreien, manche Menschen machen Menschliches, und über Peking toben schwere Stürme und Unwetter. Der Flughafen ist gesperrt und wir landen nach einigen weitläufigen Warterunden um die Hauptstadt schließlich in Taiyuan, gut eine Flugstunde entfernt. Dort warten wir vier Stunden bei „Funny Clips-Dauerberieselung“ im Flieger darauf, dass sich die Lage in Peking beruhigt und treten schließlich den Zielflug an. Insgesamt hat sich meine Flugzeit auf 16 Stunden verdoppelt und ich treffe abends statt morgens an der Sportuniversität ein. Reisebericht China 2011: Donnerstag, 28. Juli: The Importance of being EarnestThursday, July 28. 2011Meinen letzten Tag in Abu Dhabi möchte ich nach all der Wüste dann doch gerne in der Stadt verbringen, damit ich später mal sagen kann, ich hätte auch Abu Dhabi selbst gesehen und nicht nur Sand. Das Resort stellt mir einen A8L mitsamt überaus charmanter und touristisch versierter Fahrerin zur Verfügung und ich lasse mich vom Sitzplatz hinten rechts aus durch die Glitzermetropole kutschen. Das Großartigste: Wenn wir irgendwo halten, damit ich mal was besichtigen kann, springt sofort aus dem Nichts ein livrierter Mensch hervor, um mir den Schlag zu öffnen. Noch schöner dann die Rückkehr, zum Beispiel nach meinem Mittagessen im Emirates Palace: Ich sende meiner Fahrerin ein kurzes Signal, die Riesenkutsche fährt vor und ich trete vor den Eingang. Türen und Schäge werden geöffnet, umstehende Menschen schauen erstaunt und eigentlich fehlt mir jetzt nur noch so ein Paris Hilton-artiges Blondchen-Anhängsel samt Handtaschen-Hund, um meinen Star-Status zu belegen. Abends dann Check-in zum Nachtflug nach Peking. Der Spaß hat ein Ende. Reisebericht China 2011: Montag 25. Juli: Dippin’ low in the Lap of LuxuryMonday, July 25. 2011Ich bin ein anständiger deutscher Lehrer – und als solcher begebe ich mich am ersten Ferientag gleich in den verdienten Urlaub (und bleibe natürlich bis zum letztmöglichen Termin). Wenn mich also mal jemand nach diesem Lutherzeugs mit der Berufung fragen sollte, dann berufe ich mich vor allem auf den Ferienkalender das Landes Nordrhein-Westfalen. In diesem Jahr mache ich das, was ich in jedem Jahr mache, gönne mir aber zuvor drei Tage Abu Dhabi, um mich von einer eher aufreibenden Vorferienzeit zu entspannen. Da ich künstliche Hochhausarrangements eher nichtssagend finde, lasse ich mich von Flughafen direkt hierhin (Link) bringen und verbringe drei Nächte mitten in Wüste mit nichts außer Wüste. Das Resort ist so etwas wie ein Wellness- und Luxus-Abu Ghraib: Man kann nicht weg, wird ständig und überall mit Softpop aus allen Boxen gefoltert, darf ab und zu raus in die Hitze, um irgendwas mit fetten GMC-Pickups in den Dünen zu unternehmen und verbringt den Tag ansonsten mit Sterneküche und Minibar.Reiseberichte China 2011Sunday, July 24. 2011
Da
Facebook, zahlreiche Email-Dienste und Blogs in China erwartungsgemäß immer
noch gesperrt sind, gibt’s meinen jährlichen Reisebericht wieder an dieser
Stelle.
Nachtrag: SchuleFriday, July 22. 2011Das Schuljahr ist zu Ende und ich kann es kaum glauben: Ich bin im zehnten Jahr Lehrer. Ist das jetzt ein Zustand, ein Prozess, eine Diagnose oder eine Beileidsbekundung? Werfen wir einen Blick auf den Anfang: Meine erste Stelle nach dem Referendariat trat ich am Gymnasium Leopoldinum in Detmold an. Ich wurde Klassenlehrer einer Sieben und fragte meinen Mentor, den ehemaligen Klassenlehrer, der seine Klasse zu Recht sehr mochte, zu Beginn des Halbjahres, wie er sich die Umsetzung des Lehrplanes für das Fach Deutsch wünschen würde. „Ach, da machen Sie doch einfach etwas aus dem Lehrbuch.“ „Die Themen des Lehrbuches sind veraltet und entsprechen nicht mehr den neuen Richtlinien des Faches. Gibt es denn so etwas wie eine didaktische Jahresplanung für diese Jahrgangsstufe?“ „Nein, so etwas machen wir hier nicht.“ - Kurzer Einschub für alle Nichteingeweihten: Mit „so etwas“ spielt mein Mentor auf eine seit langen Jahren bestehende Vorschrift der Landesregierung zur Entwicklung von Jahresplänen an, die er und seine Fachgruppe jedoch konzeptionell nicht goutierten und in eigenem Ermessen einfach mal nicht umgesetzt hatten. Ein Verfahren, das für so gut wie alle Fächer und Fachgruppen an dieser Schule zu der Zeit galt, wie ich dann später noch herausfinden sollte. - „Aber was soll ich dann in Ihrer Klasse unterrichten, wenn das Lehrbuch nicht gültig ist und die Lehrpläne nicht umgesetzt werden?“ „Ach, dann machen Sie doch einfach irgendetwas, was Sie für richtig halten.“ „Bitte?“ „Ja, das entscheiden Sie dann einfach selbst.“ „Ähhhh, bitte?“ - Und jetzt folgt der denkwürdige Satz, um den es mir heute geht: - „Ach, wissen Sie, Herr Rosen, die eigentliche Aufgabe der Schule besteht darin, diese ganzen jungen Menschen so lange aufzubewahren und irgendwie halbwegs sinnvoll zu beschäftigen, bis sie soweit gereift sind, dass sie von selbst entscheiden können, was sie machen wollen.“ - Szenenwechsel - Machen wir einen Zeitsprung in die Gegenwart: Jedes Jahr veranstalte ich zum Schuljahresende einen kleinen Event für meine ehemaligen Schüler mit Wasserskifahren und Grillen am See. Ich mag diese Veranstaltung, weil ich gerne verfolge, was aus den Schülern wird und was sie so zu erzählen haben. Es ist eine gute Gelegenheit für mich, im Brecht‘schen Sinne immer wieder neu Maß zu nehmen. In diesem Jahr erreichen mich auf meine Einladungs-Email bisher gänzlich unbekannte Antworten: - K, der sich während seiner Schulzeit für präzise gar nichts interessierte, daraus auch keinen Hehl machte und bestenfalls körperlich anwesend war, studiert heute knüppelhart Naturwissenschaften und muss für Klausuren lernen. - M, der sich außer für Autos und für Essen eigentlich für nichts sonst interessierte, muss für einen Test (?!?!) lernen (WTF?). - K und F sitzen an Hausarbeiten und müssen arbeitenlesenschreibenschreibenschreibensorry. - D und K sitzen bereits an ihren Bachelor-Arbeiten, können daher nicht kommen, würden sich aber freuen, wenn ich ihre Arbeiten Korrektur lesen könnte, dankesehr. - T, M, L und W machen Praktika und arbeiten wie verrückt an Lebenslauf und Karriere. - N, D, S, P und M studieren im Ausland, lassen aber beste Grüße ausrichten. Sollte mein alter Mentor tatsächlich Recht behalten? Ist sein Spruch, den ich seinerzeit als tiefen Zynismus empfunden hatte, in Wahrheit die weiseste Einsicht unseres Berufes? Lehrer sein als Aufbewahrung und halbwegs seriöse Bespaßung junger Menschen bis zur eigenständigen Reife? Ich staune über die Antworten meiner Schüler, vor allem bei denjenigen, wo das wohl eher niemand erwartet hatte – und verbringe einen großartigen Abend ohne diese ganzen wichtigtuerischen Spaßbremsen mit den anderen Chillern am See…
Posted by Ulrich Rosen
in Fun & Freizeit, Fürs Leben gelernt, Lehre & Leere, Verlorene Jugend, Wahnsinn Schule
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13:47
Let's set this Place on FireMonday, July 18. 2011Happy Birthday, was für eine Erinnerung...
Posted by Ulrich Rosen
in Erkenntnis des Tages, Fürs Leben gelernt, Genie & Wahn, Musikvideo, Priceless Moments, Verlorene Jugend
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01:50
Zum Dummschwätzer geborenFriday, June 17. 2011Mit allen meinen jugendlichen Adepten führe ich einen Berufsinteressen und -eignungstest durch. Heute habe ich selbst gleich zwei davon gemacht, schließlich ist es immer gut, Alternativen in der Hinterhand zu haben.
Posted by Ulrich Rosen
in Erkenntnis des Tages, Fürs Leben gelernt, Genie & Wahn, Männlichkeitsalarm
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01:36
wowMonday, June 13. 2011
(c) nba.com
Posted by Ulrich Rosen
in Genie & Wahn, Kunst & Kultur, Männlichkeitsalarm, Priceless Moments, Sport & Mord
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05:02
Romantik 2.0Friday, May 20. 2011Science rulez!Friday, May 20. 2011
Ich hatte jahrelang das gleiche Problem mit diesen glatten, runden Schnürsenkeln... und bin jetzt ein neuer Mensch.
"Up until that moment I would have thought, that by age 50, one of the life skills, that I have really nailed was tieing my shoes."
Posted by Ulrich Rosen
in Erkenntnis des Tages, Fürs Leben gelernt, Genie & Wahn, Musik & Film, Priceless Moments
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23:24
äääääääähhhh, what?Friday, April 1. 2011
Wie finde ich denn diesen Querdrift in den vereisten Kurven?
Grossglockner Backcountry from Freebord Mfg. on Vimeo.
Posted by Ulrich Rosen
in Fun & Freizeit, Genie & Wahn, Männlichkeitsalarm, Sport & Mord, Sprachlos
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23:18
Happy Weekend, everybodyFriday, April 1. 2011
Jeder Satz ein Volltreffer, ich mag vor allem Platz Nummer vier...
FÜNF DINGE, DIE MAN DIR LEIDER NIE ERKLÄRT HAT "Das Meiste ist noch nicht getan. Wunderbare Zukunft."Wednesday, March 30. 2011
Danke. Genau. Du bist eine Inspiration. Danke, Ingvar, und alles Gute zum 85.
hjärtliga gratulationer till födelsedagen Nachtrag zur...Tuesday, March 29. 2011
...Autocomplete-Funktion: Warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen?
Immerhin ist Facebook mal nicht schwul... Immer, wenn ich mal nichts zu tun habe,...Tuesday, March 29. 2011
... dann schaue ich die alten TED-Folgen. Hier einer meiner am Wochenende gesehenen Favoriten mit Dan Gilbert.
Vorsicht: Rechne damit, dass die nächsten Stunden weg sind, sobald Du anfängst, bei den anderen Folgen ein wenig rumzuklicken. Nach Brüderles Ausfall...Thursday, March 24. 2011
... mal wieder über die offensichtliche Armseligkeit unseres Personals zu spotten, wäre sicherlich zu hoch gegriffen, denn:
5 Reasons Humanity is terrible at Democracy Jeder Punkt ein Treffer - die Agents of Crack wissen, was fixt...
Posted by Ulrich Rosen
in Erkenntnis des Tages, Fürs Leben gelernt, Genie & Wahn, Politiker & anderer Abschaum
at
17:25
Mein liebstes Spielzeug im Internet...Thursday, March 24. 2011... ist die Autocompleteme-Funktion von Google. Hier werden dem Nutzer schon während des Eintippens der Suchbegriffe in das Suchfeld die meistgesuchten Ausdrücke angezeigt. Wer also einen schnellen Blick auf die Realität braucht, ist hier eigentlich immer richtig.
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Zitat des Tages"All animals are equal but some animals are more equal than others."
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